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II. Die Sturm- und Drangjahre von 1848—1850
vvm Fluche der Lächerlichkeit beigemischt wurde. Ihr kurzes Dasein ließfür viele Patrioten, die sie anfänglich mit großen Hoffnungen begrüßthatten, nur den Schmerz erfahrner Enttäuschungen und verfehlter Be-strebungen zurück.
Unter solchen Umständen begann am 3. April der Krieg von neuem.Dänemark setzte die Blockade der deutschen Häfen und Strommündungenabermals in Kraft. Gegen die der jütischen Grenze und Alsen gegenüber-stehenden Holsteiner sollte von beiden Seiten her ein entscheidender Schlaggeschehen. General v. Bülow war ausersehen, durch das Sundewitt, GeneralNye von der jütischen Grenze her gegen Flensburg vorzudringen, währendeine Flottenabteilung in die Eckernförder Bucht einzulaufen, die Stadt zubesetzen und des Gegners Rückzug zu gefährden habe.
Der Plan war gut gedacht, und dennoch scheiterte er an der unent-schlossenen Durchführung. Wie die Deutschen sich in ihren kriegerischenHandlungen unanfhörlich von der Rücksicht auf die hohe Politik, die ver-worrenen, inneren Zustände und die Sorge vor dem Eingreifen der anderenGroßmächte hemmen ließen, so geschah es bei den Dänen durch den Ge-danken, daß sie nur eine Armee zu verlieren hätten, und nach deren Verlustkeine andere mehr aufbringen könnten. Wie immer, so zeigten auch hierdie anscheinend ganz berechtigten Beweggründe solcher Ärt verderbliche,kriegerische Folgen.
Im Sundewitt (s. Skizze 7) stand die 1. holsteinische Brigade des Oberstv. St. Paul bei Gravenstein . Gegen sie sollte sich am 3. Juli früh die6. dänische unter Oberst de Meza, dem späteren Oberbefehlshaber von 1864,über Nübel in Bewegung setzen, um sie so lange festzuhalten, bis die3. Brigade, über Satrup vorgehend, sie umgangen habe. Dies wurdenoch dadurch erleichtert, daß die Holstein er zum Teil bis Atzbüll, alsoin die ihnen zugedachte Umfassung hinein, vorgingen. Auch über Ecken-sund wurde der Rückzug bedroht; ein kleines Geschwader wirkte beim An-griff von der Seeseite her mit. Aber die 6. Brigade ging zu schnell, die3. zu langsam vor. Oberst v. St. Paul entzog sich unter ganz leichtemGefecht der Umklammerung und wich auf Hockerup zurück; die Dänenunter Bülows Oberleitung folgten bis Gravenstein . Ja sie wurden amAbend uoch, als der krank auf Alsen liegende Kriegsminister Hansen zurVorsicht mahnte, gegen Sonderburg und Düppel zurückgezogen.
Ähnlich gings im Norden her, wo General Rye mit seinen Truppen andrei Stellen die Grenze überschritt, und nach kurzer Kanonade Hadersleben besetzte. Dort bereits wurde er durch den neuen dänischen Oberbefehls-haber, General v. Krogh, angehalten. Damit war die Offensive aufgegeben.