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II. Die Sturm- und Drangjahre von 1348—1860
aber den Anmarsch einer starken Kolonne aus Südwesten meldete, begannGeneral Rye den Höhenrand zu räumen.
Nun drängte die preußische Infanterie nach und beschleunigte den Rück-zug des feindlichen rechten Flügels derart, daß der linke in Verlegenheitgeriet und 40 Gefangene an die Angreifer verlor. Leider war die preußi-sche Kavallerie nicht zur Stelle; sie hatte eine falsche Richtung genommenund sich, statt auf die feindliche rechte Flanke zu fallen, an die eigenenTruppen herangezogen. Die Masfe der Division blieb in Veile, wo auchGeneral v. Hirschfeld sein Hauptquartier nahm. Die Verluste waren aufbeiden Seiten gering. Die Landwehr, „die sich bei der Einberufung wider-willig, beim Marsche unlustig gezeigt", hatte sich im Gefecht bewährt.
General v. Prittwitz ordnete sofort an, daß die siegreiche Division inder Richtung auf Horsens weiter vorgehen, die holsteinische sich zur Ein-schließung von Fredericia bereit halten solle. Von energischer Verfolgungwar nicht die Rede, sondern nur davon, daß die Avantgarde zunächst einegeeignete Stellung weiter vorwärts zu erreichen suchen solle, „wenn sichdies ohne zu große Opfer an Menschen tun läßt". Dann kam Befehl,bei Veile zu verbleiben. Die Dänen waren schon am 9. früh hinter dieHanfted-Aa zurückgewichen und hatten die Kavallerie westlich bis zurGuden-Aa an die Straße von Viborg hinausgeschoben. Dann gingenbeide Parteien zur Ruhe über; der leicht zu befriedigende Tatendurst wareinstweilen gelöscht.
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„Während man den erreichten Feind — das schwache Korps Rye —entschlüpfen ließ, mühte General v. Bonin sich gegen den nicht erreich-baren ab."
Noch am Abend nach dem Gefecht waren die Holsteiner bis nach Fre-dericia vorgegangen und fanden die Festung, die im Jahre zuvor in völligverfallenem Zustande dem General v. Wrangel überlassen worden war,wiederhergestellt, verteidigungsfähig und gut mit Artillerie versehen. ZurBelagerung fehlten den Deutschen die Mittel. Zur Beobachtung wäre esam besten gewesen, hinter dem Elbodal zwischen Gudsö und Rands Fjordzu bleiben. Aber General v. Bonin hatte diesen Abschnitt schon über-schritten. Er stand in der Linie Erritsö—Bredstrup und mochte das ge-wonnene Gelände nicht wieder aufgeben. Er dachte an Beschießung desPlatzes, die im Augenblick, wo dieser von den zurückgegangenen dänischenTruppen noch überfüllt war, von Erfolg sein konnte. Zunächst bot sichals Ziel ein Blockhaus dar, das die Dänen am Strande vorwärts der