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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Holstemer vor Fredericia

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vor der Westfront der Festung angelegten Überschwemmung zu errichtenim Begriffe waren. Es sollte die Verbindung mit Snoghöj, der Über-fahrtsstelle nach Fünen , ermöglichen. Die Avantgardenbatterie nahm esam 9. und 10. unter Feuer, aber dieses blieb wirkungslos, ward vonder Artillerie des Platzes und von den Schiffen aus erwidert und mußteeingestellt werden. Nun wurden Redouten gegen die West- und Nord-westfront angelegt und der Bau schwerer Batterien in Angriff genommen.Am 13. Mai früh wurde dieser durch einen Ausfall der Besatzung zwargestört, aber bis zum 16. Mai dennoch vollendet. Zehn schwere Geschützewaren aus Rendsburg angekommen; die Beschießung konnte eröffnet wer-den und dauerte 4 Tage. Sie tat viel Schaden; mehrfach geriet die Stadtin Brand, die meisten Einwohner verließen sie, lagerten drüben auf Fünen in den Feldern von Strib und sahen der Zerstörung ihrer Wohnstättenzu. Aber entschieden wurde damit nichts. Die dänischen Feldtruppenwaren schon vorher nach Fünen übergesetzt.

Am 22. Mai gelang es, das Verbindungsblockhaus durch eine besondersdafür errichtete Batterie in Brand zu setzen uud dann zu nehmen.

Bei der Anlage eines gedeckten Verbindungsweges dorthin fiel am nächstenMorgen der Generalstabsoffizier der Division, Hauptmann v. Delius, einOffizier, auf den ganz Schleswig-Holstein große Hoffnungen setzte und demim deutschen Vaterlande noch eine bedeutende Zukunft bevorgestanden hätte.Er galt bis zu den großen Kriegen um Deutschlands Einigung hin alsdas Vorbild eines Generalsstabsoffiziers. Hauptmann v. Blumenthal, derspätere Feldmarschall, trat an seine Stelle.

Die Anstrengungen der Belagerer richteten sich weiterhin darauf, durchFeuer die Verbindung Fredericias mit Fünen zu unterbrechen; allein auchdies gelang nicht, da Strandbatterien unter den Kanonen der dänischenFlotte an den geeigneten Stellen nicht angelegt werden konnten und einSchießen über die Stadt hinweg zu unsicher war. Ab und zu kam eszwischen den Vorposten zu Scharmützeln und auch zu kurzen Kanonaden.Weiteres ließ sich gegen den Platz nicht unternehmen. Das Gefühl dieserOhnmacht, der anstrengende Dienst bei rauhem Wetter und der Verlustder besten Offiziere drückten allmählich die Stimmung der braven Divisionherab, und es trat eine gewisse Erschlaffung ein, die sich unter solchenUmständen nur zu leicht fühlbar macht.

Mittlerweile war General Rye in Jütland hinter den starken Abschnittbei Skanderborg (f. Ergänzung zu Skizze 4 für 1864) zurückgegangen undstand dort mit seiner geringen Macht, geschützt durch Seen und schwerüberschreitbare Wasserlinien, ohne beunruhigt zu werden. General v. Pritt-

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