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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Entstehung
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Wirrwarr in der deutschen Zentralgewalt

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Worte. Bald mußte sie erklären, daß sie die Kraft nicht besitze, den Auf-ruhr in der Pfalz und Baden zu bewältigen, und daß dies allein Preußenvermöge, an welches sich Bayern schon mit der Bitte um schleunige Hilfegewendet hatte.

Unter dem Eindruck dieses Wirrwarrs von Ideologie, phrasenreicherAnmaßung und Ohnmacht, persönlich zwischen der sogenannten Zentral-gewalt und der eigenen Regierung stehend, mußte General v. Prittwitzseine Entschlüsse fassen. Man begreift, daß ihm der Feind im Innernals der wichtigere erschien, daß er die Entscheidung der ganzen Krisis inDeutschland nicht gegen Dänemark suchte und daher beschloß, seine Truppenversammelt und bereit zu halten, um auf den ersten Wink nach einerneuen Richtung abrücken zu können.

Die Treue und Zuverlässigkeit der preußischen Truppen hatte nochnirgends auch nur für einen Augenblick gewankt. Sie bildeten zu derZeit, wo Österreich alle Kräfte in seinen außerdeutschen Landen brauchte,die einzig sichere Gewähr gegen die allgemeine Auflösung, die von beute-gierigen Nachbarn leicht hätte ausgenutzt werden können. Aber Preußens geringe aktive Macht war sast schon erschöpft, gebunden an die Plätze, wosie stand, die Verwendung der Landwehr im inneren Kampfe unerwünscht,der Ernst der Lage nicht zu leugnen.

So konnte ein begabter General, dem es auch nicht an Entschlußkraftfehlte, dazu kommen, statt des Krieges nur die Parodie eines solchenaufzuführen.

Zu allem übrigen kam, daß Dänemark durch russische Vermittlung nun-mehr unmittelbar in Berlin um einen Waffenstillstand verhandelte, derzum Frieden führen sollte.

Diese Verhältnisse bewogen General v. Prittwitz, nur so viel von Jüt-land zu besetzen, daß er seine Truppen dort verpflegen und die geforderteZwangsauflage ausschreiben konnte. Er ließ am 13. Mai die 3. Divi-sion nach Horsens vorgehen, griff aber die Stellung von Skanderborg nicht an. Die 1. Division wurde nach Veile herangeholt, wo der Ober-befehlshaber sein Hauptquartier nahm. Die 2. Division blieb weiter rück-wärts stehen, um nötigenfalls die Reservedivision im Sundewitt unter-stützen zu können. Die dünische Hauptstreitmacht, die nach Fünen zurück-gegangen war, schiffte sich wieder ein, und noch übersah man nicht, wohinsie sich wenden werde. So wurde, wie vor Fredericia , auch auf demübrigen Kriegsschauplatze abgewartet.

Am 22. Mai erhielt General v. Prittwitz durch den preußischen Mi-nisterpräsidenten die Nachricht, daß Preußen die dänischen Angelegenheiten