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II. Die Sturm- und Drangjahre von 1848—1850
in die eigene Hand genommen habe und Weisungen aus Frankfurt nichtmehr zu befolgen seien. Damit hörte auch seine Autorität über die klein-deutschen Kontingente auf, die sächsische Brigade hatte schon den Abmarschin die Heimat begehrt, um dort Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten.Er reichte seinen Abschied ein, blieb aber ohne Antwort. Dann folgteaus Berlin die Mitteilung, daß zehn russische Linienschiffe aus Revalausgelaufen seien, um sich der dänischen Flotte anzuschließen. Jede Feind-seligkeit gegen sie sollte aber auf strengste vermieden werden. Dabei warendie Wirren in Deutschland aufs höchste gestiegen. In Preußen wurdenmobile Divisionen aufgestellt; alle Negierungen verlangten die Rückkehrihrer Truppen aus Jütland . Man bedürfte der dort stehenden 60000Mann dringend und wünschte allgemein irgendein Abkommen mit Däne-mark . So wurde der Krieg fast zu einer schlechten, aber gefährlichenPosse, und an irgendeine energische Handlung war nicht mehr zu denken.
Skanderborg wurde freilich am 23. Mai noch ohne Kampf besetzt, daGeneral Rye inzwischen Befehl erhalten hatte, sich nach der durch die wieder-hergestellte alte Dragmur und Kriegsschiffe geschützten Halbinsel Helgenäsin Sicherheit zu bringen. Aarhuus wurde frei gefunden, aber nur be-treten und wieder verlassen, so daß die Dänen die Stadt neuerdings wie-der besetzten.
Dies sollte nicht geduldet werden, und General v. Hirschfeld, Komman-deur der 3. Division, ging am 31. Mai erneut gegen die Stadt vor. Alsseine Vorhut sich ihr näherte, verließen die Dänen sie zum zweitenmal.Auf der Hochfläche jenseits aber legte ihre Kavallerie den preußischenSchützen, die unvorsichtig vordrangen, einen Hinterhalt und hätte sie über-ritten, wenn nicht 2 Eskadrons 11. Husaren unter Major V.Pfuhl, trotzschwierigem Gelände, sich mit großer Unerschrockenheit den dänischen Dra-gonern entgegengeworfen hätten. Sie trieben sie, ungeachtet der Über-legenheit an Zahl und schwererer Bewaffnung, vom Gefechtsfelde undmachten 50—60 Gefangene auf einem von Knicks umschlossenen Felde.Freilich verloren sie 4 Offiziere 33 Mann, ein Sechstel ihrer Stärke totund verwundet, aber der Erfolg blieb auf ihrer Seite.
Die Dänen waren nun aus Aarhuus verscheucht. Da aber auch diepreußischen Truppen den allgemeinen Anordnungen entsprechend wiederabzogen, kehrten sie nochmals zurück. Für diesen Fall war der Stadt einBombardement angedroht, unterblieb jedoch auf Befehl des Oberkommandos.Am Ende wurde Aarhuus durch Vereinbarung neutralisiert, und die bis-herige Ruhe trat wieder ein. General v. Prittwitz wurde sogar vompreußischen Ministerpräsidenten aufgefordert, sich mit dem dänischen Ober-