Druckschrift 
2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 
  

Die Gegensätze in der Politik beider Mächte

257

er es offen aus:Wenn Österreich unser Bundesgenosse bleiben will, mußes uns Platz machen."

Mit Natnrgewalt drängte die politische Entwicklung auf eine Entscheidunghin. Aber ehe der Widerstreit offen hervortrat, mußten noch die möglichenAuswege für eine friedliche Lösung versucht werden.

Durch unzeitige Schwierigkeiten, die er der militärischen und finanziellenAngliederung an Preußen entgegenstellte, machte Herzog Friedrich vonAugustenburg seine Einsetzung selbst unmöglich, als er erfahren hatte, daßauch Österreich seiner Kandidatur geneigt sei. Aber in diesem Punkte,den er im Februar 1865 zur unerläßlichen Bedingung stellte, blieb KönigWilhelm fest. Er hielt sie für den Mindestlohn, der Preußen gebühre.Österreich wieder wollte ihm wohl den Hafen von Kiel , das Besatzungs-recht in Rendsburg , die Aufsicht über den Nordostseekanal einräumen, dem Ein-tritt Schleswig-Holsteins in den Zollverein zustimmen, aber nicht die preußischeMilitär- und Finanzhoheit, angeblich weil sie das Bundesrecht und dieFürstensouveränität berührten. Sie hätten einen deutschen Mittelstaat nahezuzum Vasallen Preußens gemacht, und das wollte Österreich nicht dulden.Österreichs Widerspruch ermutigte alle Anhänger des Herzogs in Schles-wig-Holstein . Die von der gemeinsamen Verwaltung angestellten Beamtenbetrachteten diesen schon als ihren Herrn und folgten seinen Weisungen.Um dem preußischen Besitzrecht Ausdruck zu geben, befahl König Wilhelmdaher am 24. März 1865 die Verlegung der Marinestation Danzig nach Kiel.Preußen richtete sich also in den Herzogtümern häuslich wieauf preußischem Boden ein." Die Spannung wuchs. Österreich pro-testierte, konnte aber mit Rücksicht auf die gespannte Lage in Ungarn undseiner Finanznot wegen nichts Tatsächliches unternehmen, um dem ProtestNachdruck zu verleihen.

Die finanzielle Abfindung Österreichs hatte in Wien viele Fürsprecher,aber Kaiser Franz Josef hielt sie mit der Würde Österreichs nicht fürvereinbar und forderte den Ausgleich für Preußens Machtzuwachs durchAbtretung der Grafschaft Glatz , die Preußen unmöglich gewähren konnte.Klar war jedenfalls, daß Österreich die alte Politik der NiederhaltungPreußens nicht aufgeben wollte. Das bedeutete aber den Krieg. In einemMinisterrate am 29. Mai 1865 sprachen sich Bismarck und Moltke fürdie Einverleibung der Herzogtümer in Preußen als einzig richtige undheil-same" Lösung ans. Allein der König vermochte sich zu einem solchenäußersten Schritt noch nicht zu entschließen. Eine unerwartete Wendung kamseiner Friedensliebe entgegen. In Österreich fiel das Kabinett Schmerling,das die Kandidatur des Herzogs von Augustenburg bis zuletzt energisch

FrHr. v. d, Goltz, Kriegsgeschichte II 17