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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

unterstützt hatte. Graf Belcredi, der Nachfolger, trug Bedenken, der gleichenRichtung zu folgen, da sie ihn in das Fahrwasser der liberalen Mittel-staaten und der radikalen deutschen Volkselemente geführt hätte, derenEndziel die Parlamentsherrschaft war. Es gelang daher unschwer, beieiner Monarchenzusammenkunft in Gastein am 14. August 1365 einen Aus-gleich zustande zu bringen, der jedenfalls einen Aufschub der Feindselig-keiten bedeutete. Das kleine Herzogtum Lauenburg würde für 2^ MillionenTaler an Preußen abgetreten, das gemeinsame Regiment, der Anlaß zuso viel Zwistigkeiten, aber aufgelöst. Die Verwaltung Schleswigs ging anPreußen, diejenige Holsteins an Österreich über. In Holstein behieltPreußen den Kieler Hafen und Heerstraßen nach dem Norden. Es wareine Verklebung der Risse im Bau", wie es Bismarck nannte. Etwasanderes konnte es auch nicht sein; denn im letzten Grunde handelte es sichnicht mehr um die Herrschaftsteilung in den Herzogtümern, sondern umdie große alte Frage nach der Vorherrschaft in Deutschland , dessen Zu-kunft von der Entscheidung abhing. Verblieb diese Stellung dem halb-slawisch-magyarischen Österreich , so war an Einheit und weitere Macht-entwicklung nicht zu denken, sondern höchstens an ein Fortleben, dem all-mählichen Absterben entgegen.

Bismarck nahm den Vertrag von Gastein als etwas Gegebenes hin,erfüllte aber den König und seine Mitarbeiter mehr und mehr mit derÜberzeugung, daß nur die Erwerbung Schleswig-Holsteins eine für Preu-ßen glückliche Lösung der Krisis biete. Allmählich begann sich auch ineinigen der besten Köpfen der liberalen Partei die Einsicht Bahn zu brechen,daß sie etwas Nützlicheres sei, als die Aufrichtung eines neuen Mittel-staates.

Wenn das vorläufige Übereinkommen seine beruhigende Wirkung nichtlange bewährte, so lag dies an dem Drängen der Mittelstaaten und demTreiben der Volksmassen. Ein Teil jener Staaten beantragte die Ein-mischung des Bundes in die Erbfolgefrage. Zum letzten Male vereinigt,gaben die beiden Großmächte beim Bunde eine Gegenerklärung ab undverhinderten die Annahme. Aber die lärmenden Kundgebungen für denAugustenburger in Holstein fanden die geheime Billigung und offene Dul-dung durch Österreich. Eine erregte Massenversammlung in Altona warmit dessen Erlaubnis veranstaltet worden. Preußen erhob Einspruch,wurde aber am 7. Februar 1866 von Österreich schroff abgewiesen, so daßeine Verständigung fortan ausgeschlossen war. Bald schritt auch Österreich zu den ersten, wenn auch noch nicht sehr bedeutenden Kriegsrüstungen.

Bismarck, nach der Erwerbung von Lauenburg in den Grafenstand er-