260
die Aushebung von 85 000 Rekruten vor und stellte Freiwilligenkorps auf.Am 21. April 1866 ordnete es die Mobilmachung der Südarmee gegenItalien , zwischen dem 27. April und 7. Mai auch die der Nordarmee gegenPreußen an. Dieses machte erst am 3. Mai die fünf Österreich nächsten,Korps: Garde 3., 4., 5. und 6. kriegsbereit, am 7. auch das 7. und 8.und endlich am 12. Mai das 1. und 2. Die Mittelstaaten folgten biszum 14. Mai diesem Beispiele; nur Hannover und Kurhessen blieben nochzurück, weil die Landstände es verlangten. Auch die Festungen wurdenin Verteidigungszustand gesetzt.
Über die verwirrenden Vorgänge am Bundestage gehen wir hinweg underwähnen nur den verständigen Antrag Bayerns vom I.Juni, die preußischenund österreichischen Truppen in den Bundesfestungen durch kleinstaatlichezu ersetzen.
Ein Versuch Österreichs, durch Preisgabe Venetiens Italien von seinemBündnisse abwendig zu machen, mißlang ebenso, wie derjenige Napo-leons III., die schwebenden Streitfragen durch einen europäischen Kongreßschlichten zu lassen. Es gab eben keine andere Lösung mehr als die durchdas Schwert.
Österreich übertrug inzwischen die Regelung der schleswig -holsteinschenFrage dem Bundestag. Es verfügte auch die Einberufung der holsteinschenStände, eine Preußen geradezu feindliche Maßregel. Bismarck ließ inWien erklären, daß Preußen nunmehr auf den Boden des Wiener Friedens,d. h. den einer gemeinschaftlichen Regierung zurücktrete, und veranlaßte am7. Juni das Einrücken der preußischen Truppen aus Schleswig in Holstein zu dessen Mitbesetzung. Die Österreicher zogen sich über Altona nach Har-burg ans linke Elbufer zurück. Am 11. erfolgte der schon angedrohteAntrag auf Mobilmachung gegen Preußen beim Bunde, der am 14. Juniangenommen ward. Nur Mecklenburg, Braunschweig, Oldenburg , Anhaltund die Mehrzahl der thüringischen Kleinstaaten sowie die Hansestädtehatten dagegen bestimmt. Sie wurden Preußens Bundesgenossen. DerFederkrieg war beendet, den Kanonen das Wort erteilt. Es folgte wohlnoch am 15. Juni ein neuer preußischer Vorschlag zur Reform der deutschenVerfassung und ein Ultimatum an die Höfe von Hannover, Dresden undKassel , aber schon ohne Aussicht auf Erfolg. Mit der tatsächlichen Ab-lehnung war auch der Krieg erklärt.