Bundesmobilmachung gegen Preußen
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3. Der Arieg von 1^866
Einleitung und Aufmarsch der Heere
Trotz seiner tatkräftigen Politik und dem Bündnisse mit Italien warPreußen beim Kriegsausbruch in keiner besonders günstigen Lage. DieTrennung des Staatsgebiets in zwei Stücke erschwerte die Versammlungder Kräfte. Es kam hinzu, daß die infolge der politischen Verwicklungennur stufenweise nach und nach verfügte Mobilmachung nicht zu den Frie-densvorbereitungen Paßte, die einen gleichmäßigen und einheitlichen Über-gang auf den Kriegsfuß vorsahen. Der Vorsprung, den ein solcher ge-währt hätte, war verloren. Die Wirkung der Reform von 1860 konnteinfolge der kurzen Zeit noch keine vollständige sein. Von den starkenjüngeren Jahrgängen waren erst drei in der Reserve verfügbar. Nochimmer mußten für die Auffüllung mehr ältere Leute zur Feldarmee heran-gezogen werden, als es erwünscht war. Die durch den inneren Konfliktverursachte äußerste Sparsamkeit hatte die vollständige Durchführung derNeubewaffnung bei der Artillerie und die Erneuerung veralteten Materialsverhindert. Die Armee rückte zum Teil mit Fahrzeugen von 1816 insFeld. Im Lande war man meist gegen den Krieg; man hielt die Politik,die ihn herbeigeführt hatte, für verhängnisvoll. Die große Mehrheit derAbgeordneten leistete sogar durch blinde Verranntheit den Feinden Vorschub.Nach den Forderungen Preußens vom Februar 1865 hatte sie die Schleswig-Holsteiner zum zähesten Widerstande aufgerufen, die Mittel für den sieg-reichen Krieg sowohl, wie für die Verlegung der Flottenstation nach Kiel verweigert. An die Bewilligung einer Kriegsanleihe war gar nicht zudenken. Die Volksboten hätten lieber das eigene Heer entwaffnet, als derkriegerischen Entscheidung zugestimmt. Die Köln-Mindener Eisenbahngesell-schaft, weitschauender als sie, streckte die nötigen Mittel vor, damit Preußen seine welthistorische Rolle fortführen konnte.
Der König trug, bei feinem hohen Alter, seinem milden, gewissenhaftenund loyalen Sinn schwer an der großen Verantwortung, die er auf sichnahm. Aber er blieb fest und wankte weder im Vertrauen auf seinenersten Berater noch auf sein treues, ihm unbedingt ergebenes Heer. Schnel-ligkeit und Energie des Handelns konnten die anfängliche Ungunst derVerhältnisse wieder ausgleichen.
Das österreichische Heer bestand damals noch im Frieden aus 7 ungleichstarken Armeekorps, die beim Übergang auf den Kriegsfuß iu 10 solcherKorps, ein jedes rund zu 28 000 Mann mit 30 Geschützen umgewandelt