Print 
2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Place and Date of Creation
Page
262
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

262

VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

wurden. 3 davon, das 5., 7. und 9., fanden gegen Italien Verwendung,die anderen 7 nebst 2 leichten, 3 Reservekavalleriedivisioneu und einerArmeegeschützreserve von 16 Batterien mit 128 Geschützen gegen Preußen .Die 7 nach Norden in Bewegung gesetzten Korps hatten je 4 Brigadenzu 2 Regimentern Infanterie von 3 Bataillonen und 1 Feldjägerbataillon,also 7 Bataillonen, 8 Geschützen. Sie besaßen ferner 1 Kavallerieregi-ment, eine Korpsgeschützreserve von 24 Geschützen in 3 Batterien, sowie1 Pionierkompagnie und die nötigen Hilfsdienste. Die 4. Bataillone derInfanterie dienten als Festungsbesatzung oder bildeten besondere Brigaden;die eben erst aufgestellten S. Bataillone wurden zu verschiedenen Zweckenverwendet.

Noch war Stellvertretung im Heere gestattet; der Mannschaftsstand ge-hörte daher im allgemeinen den untersten Volksschichten an. Die imSüden nicht zuverlässigen Regimenter mit italienischem Ersatz wurden na-türlich nach dem Norden gesandt. Das Offizierkorps ergänzte sich zumTeil noch aus dem Unteroffizierstande, war also nicht so gleichartig wiedas Preußische; auch mußte es bei Kriegsausbruch durch Ernennung einergroßen Zahl junger, wenig geübter Reserveoffiziere ergänzt werden. DieAusbildung der Infanterie litt sehr unter den geringen Friedensstärken;die der Kavallerie war recht gut. Bewaffnung und Übung der Artilleriewaren denen der preußischen überlegen. Sie führte schon durchweg gezogeneGeschütze.

Im ganzen war die österreichische Armee ein tüchtiges Werkzeug für denKrieg, dem Kaiser treu ergeben und im Kampfe gegen Preußen als durch-aus zuverlässig anzusehen. Weniger als in anderen Zweigen der Staats-verwaltung hatte von jeher im Heere die Gunst einflußreicher Personenüber das Emporkommen entschieden. Männer aus bescheidenen Verhältnissenkonnten sich durch Tüchtigkeit zu den höchsten Ehrenstellen emporarbeiten,wie es Feldzeugmeister Benedeks Beispiel lehrte, der zum Oberbefehls-haber der Nordarmee ernannt wurde. Erzherzog Albrecht ging nach demSüden.

Die Erfahrungen des italienischen Krieges waren nicht unbeachtet ge-blieben. Der übertriebene Ruf, in den die französischen Bajonettangriffegekommen waren, hatte aber zu einer Überschätzung der Stoßtaktik geführt,die namentlich dem Zündnadelgewehr gegenüber gefährlich werden sollte.Trotz Lundby wurde die Überlegenheit dieser Waffe zu gering veranschlagt.Nur wenig einsichtsvolle Männer, wie Gablenz und der Herzog von Würt-temberg, die sie von Schleswig her kannten, warnten davor. Der tiefereGrund für Annahme der Stoßtaktik lag übrigens in der unvollkommenen