Der Wert der kriegführenden Heere
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Schulung der Infanterie, die sich in geschlossener Masse besser als in derAuflösung verwenden ließ.
Der Oberbefehlshaber, aus Galizien von 1846 sowie vom italienischen Kriege her wohlbekannt, seit Solferino als trefflicher Korpsführer ge-rühmt, ein Mann von großem persönlichen Mut, der Gabe, die Truppemit sich fortzureißen, taktischem Scharfblick, der ihn die Gunst des Augen-blicks im Gefecht sicher ergreifen ließ, ein Vater seiner Soldaten wie Ra-detzky, allgemein beliebt, war von der Stimme des Volkes und Heeres alsder rechte Mann für den Oberbefehl gegen Preußen bezeichnet worden.Er wurde dazu gewählt, obschon er selbst, der bis dahin in Italien kom-mandiert hatte, lieber dort geblieben wäre, wo er den Gegner und dieVerhältnisse des Landes kannte.
Da er nicht besonders tief an Geist und seine Bildung für die hoheStellung eines Armeeführers nicht ausreichend war, verleiteten seine gutenpersönlichen Eigenschaften ihn zu einer Oberflächlichkeit, die ihn unteraußergewöhnlichen Umständen, in einer schwierigen Lage, wie die, der erentgegenging, unbeholfen machte. —
Unter den Armeen der deutschen Mittelstaaten ragte die bayerische durchihre Stärke hervor. Sie bestand aus 4 Divisionen zu je 2 Brigaden,die wie die österreichischen zusammengesetzt sein sollten, tatsächlich aber,infolge von Zurücklassung starker Besatzungen, schwächer waren. Am20. Juni zählten die Bayern 40 Bataillone, 46 Eskadrons und 18 Bat-terien, rund 45 000 Mann mit 144 Geschützen. Am 26. Juni wurdenoch eine Reservebrigade von 8 Bataillonen aufgestellt. Das bayerische Heerverfügte jedenfalls über ein vortreffliches Menschenmaterial; doch dienteetwa ein Viertel davon erst ganz kurze Zeit. Auch das Ofsizierkorps littunter einer bei der Mobilmachung vorgenommenen übermäßigen Ver-mehrung. Das Unteroffizierkorps, meist aus den Stellvertretern vonWehrpflichtigen herangezogen, war mangelhaft.
Die sächsische Armee, aus 4 Brigaden zu je 5 Bataillonen, 4 leichtenKavallerieregimentern und 10 Batterien bestehend, galt als recht brauch-bar. Sie zählte bei Kriegsausbruch 22 500 Mann mit 58 Geschützen,von diesen jedoch nur 2 Fünftel gezogene.
Die hannoversche Armee war noch bei ihrer alten v. d. DeckenschenOrganisation geblieben, die sie nach den Befreiungskriegen angenommenhatte. Die Schwäche ihrer Friedenskadres gab ihr einen halb milizartigenCharakter; doch war ihr Material an Menschen und Pferden vortrefflich.Sie hätte in derselben Stärke wie die sächsische auftreten müssen, erreichtesie aber nicht, sondern stellte nur 17 200 Mann mit 42 Geschützen ins Feld.