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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Zu diesen Streitkräften kamen für die Verwendung im freien Felde nochje eine starke Division für Württemberg und Baden, eine schwache fürKurhessen hinzu.

Alles in allem setzte Österreich mit seinen deutschen Bundesgenossen rund390000 Mann gegen Preußen in Bewegung, also eine ganz ansehnlicheÜberlegenheit; denn dieses brachte mit den bei ihm verbliebenen kleinstaat-lichen Truppen zusammen nur rund 300000 Mann auf.

Die Preußische Armee hatte den Vorzug, daß bei ihr Friedens- undKriegsgliederung übereinstimmte. Wie bekannt, zerlegten sich die 9 Korpsin je 2 Divisionen zu je 2 Jnfanteriebrigaden, von denen jede 2 Re-gimenter mit 3 Bataillonen besaß. Dazu kam 1 Kavallerieregiment von4 Eskadrons und 1 Artillerieabteilung von 4 Batterien. Im Korpsver-bande trat 1 Jägerbataillon, 1 Pionierbataillon und die Reserveartillerievon 1 oder 2 Abteilungen hinzu. Zwei Reservekorps wurden aus über-schüssigen Garde- und Linien- sowie Reserve- und Landwehrtruppen ge-bildet, die gesamte Landwehr zweiten Aufgebots aber überhaupt nicht mehreinberufen. Da die kommandierenden Generale des 3., 4., 7. und 8. Ar-meekorps eine anderweitige Bestimmung erhielten, so wurden die Divisionendieser Korps unmittelbar den Armeebefehlshabern unterstellt und die Re-serveartillerien des 3. und 4. Korps zu einer Armeereserveartillerie zu-sammengezogen.

An größeren Kavallerieverbänden wurde 1 Korps zu 2 Divisionen und1 selbständige Division aufgestellt. Einige Korps erhielten Reservekavallerie-brigaden, andere Abweichungen wurden durch das Bestehen des Truppen-korps in Schleswig-Holstein und die Rückkehr der Besatzungen aus denBundesfestungen hervorgerufen.

Wohl hätte auch in der preußischen Armee manches noch vollkommenersein können. Eines aber hatte sie vor ihren Gegnern voraus, die Einheitder Stimmung und der Ausbildung, den ernsten Entschluß und den festenWillen zu siegen. Der innere Umwandlungsprozeß, den sie in den letztenJahren durchgemacht hatte, war nicht minder wichtig als die äußere Re-form. Freilich denkt man nicht ohne Sorge daran, was wohl daraushätte werden sollen, wenn die Armee im Juni 1366 erst die Mobilmachungder Landwehr hätte abwarten müssen, ehe sie ins Feld zog, und diese dannnoch Zeit gebraucht haben würde, sich in die Forderungen des Kriegesallmählich einzuleben.

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Das durch die natürliche Lage gegebene Versammlungsgebiet für dieösterreichische Armee wäre das nördliche Böhmen gewesen. Dort wurde