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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Versammlung der Österreicher um Olmütz

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Berlin bedroht, Sachsen unterstützt, das gemeinsame Handeln mit den süd-deutschen Streitkräften erleichtert, der kürzeste Weg ins Herz der Preußi-schen Monarchie betreten, wenn man angriffsweise verfahren wollte. Aberes war schwer, die entfernteren Heeresteile dorthin heranzubringen, ehe derFeind erschien. Dieser konnte, bei gleichzeitigem Beginn, früher mit derMobilmachung fertig sein, also einrücken, ehe die gesamte österreichischeStreitmacht vereinigt war. Daran war nichts zu ändern; denn aus inner-politischen Gründen durften nicht alle Linientruppen in ihren Ergän-zungsbezirkeu stehen, aus denen sie zum Kriege aufgefüllt wurden. Daßsich Preußen durch den stufenweisen Übergang zur Kriegsbereitschaft unddie politischen Verzögerungen seines großen Vorteils zum Teil begebenhatte, wurde übersehen, die Versammlung in Mähren von dem Chef desGeneralstabes, Feldmarschalleutnant Baron Henikstein, beschlossen. Nurdas im Frieden schon in Böhmen unter Clam-Gallas stehende 1. Armee-korps mit der 1. leichten Kavalleriedivision sollte dort verbleiben, die durchdie Preußen aus ihrem Lande vertriebenen Sachsen an sich ziehen undmit ihnen vereint auf die Hauptarmee zurückweichen. Henikstein hielt auchein weiteres Abwarten in der Verteidigung für ratsam.

Mit der Ernennung Benedeks zum Oberbefehlshaber der Nordarmeeward ihr auch Generalmajor Krismanic als Chef der Operationskanzleizugeteilt, ein Mann von breiter, auf der friderizianischen Periode beruhen-den Gelehrsamkeit, der durch ein falsches Selbstbewußtsein, Sicherheit undRedegewandtheit beruhigend auf die vorherrschende kleinmütige Stimmungin den höheren militärischen Kreisen wirkte. Er wurde bald die Seeledes Hauptquartiers; Henikstein trat freiwillig gegen ihn zurück. Beuedekhielt sich nicht für berechtigt, über sein höheres Wissen mit frischer un-mittelbarer Empfindung hinwegzugehen; er fügte sich seiner Dialektik.Auch Krismanic war zunächst für die Versammlung in Mähren und dasAbwarten in der Verteidigung, wenigstens nahm er sie als unabänderlichhin. Den preußischen Vormarsch erwartete er von Oberschlesien her gegenOlmütz . So wurde denn die Nordarmee zwischen dem 20. Mai und9. Juni um Olmütz versammelt. Sie füllte den ganzen mittleren RaumMährens aus. Die 2. leichte Kavalleriedivision sicherte die Grenze Öster-reichisch-Schlesiens.

Als Benedek am 26. Mai im Hauptquartier Olmütz eintraf, fand erdiesen Zustand schon vor. Mittlerweile verstrich die Zeit ohne das er-wartete preußische Einrücken. Der Vormarsch nach Böhmen konnte er-wogen werden. Krismanic faßte den Entschluß, mit der Armee das Plateauzwischen der oberen Elbe und Jser zu erreichen. Dort hatte 1778 Kaiser