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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Josef II. und sein Berater Lacy auf der einen Seite den großen Königan der Elbe, auf der andern Seite den Prinzen Heinrich an der Jserabgewehrt. Das war sein Vorbild ein größeres Ziel steckte auch ersich nicht.

Eile wäre nun geboten gewesen. Aber noch war die Armee nicht ganzvereinigt; sie zählte erst gegen 200000 Mann. Ganze Truppenteile fehl-ten, ebenso einiges von den Vorräten für den Marsch. Die 1859 ge-machte Kriegserfahrung, daß es mißlich ist, mit einer unfertigen Armeeden Feldzug zu eröffnen, wirkte nach. Krismanic nahm sich vor, diesenFehler unter allen Umständen zu vermeiden; selbst des Kaisers Drängenbrachte ihn nicht in Bewegung. Erst sollte alles beisammen sein, dannmarschiert werden. Benedek stimmte ihm bei. Nach dem Eintreffen derfertigen Armee in Böhmen sollten die Kämpfe beginnen. Dann war erwieder in seinem Fahrwasser. Kriegserfahrung ist meist einseitig; denn sieberuht auf besonderen Vorbedingungen, die sich niemals ganz wiederholen.Nur bei sorgfältiger freier Kritik der Unterlagen darf sie unmittelbar an-gewendet werden. Sie führte hier irre. Das Beispiel des Bayerischen Erbfolge-krieges paßte nicht, weil die Preußen andere geworden waren als 88 Jahre vor-her. Die Stoßtaktik, die auch Benedek dem Heere aufs wärmste empfahl, weil sie1859 die größten Erfolge gehabt haben sollte, war 1866 dem Zündnadel-gewehr gegenüber verhängnisvoll. Statt abzuwarten, bis der letzte Mannund das letzte Fuhrwerk in Mähren eingetroffen waren, wäre es diesmalbesser gewesen, früher aufzubrechen. General Clam-Gallas und KronprinzAlbert, der die Sachsen befehligte, wurden von dem Entschlüsse in Kennt-nis gesetzt und genehmigt, daß sie sich hinter der Jser vereinigten. Dortsollten sie zusammen 60 000 Mann stark dem preußischen Ein-marsch Widerstand leisten, aber keine entscheidende Schlacht annehmen, son-dern fechtend in der Richtung auf Josefstadt dem allgemeinen Sam-melplatze zurückgehen.

Auch Bayern erhielt durch seinen, im österreichischen Hauptquartiereingetroffenen einsichtsvollen Generalstabschef v. d. Tann , uns von Bauher bekannt, Nachricht, daß die Nordarmee unvorhergesehene Ereig-nisse abgerechnet Ende Juni oder in den ersten Tagen des Juli imnordöstlichen Böhmen , das Riesengebirge vor der Front, versammelt seinwürde. Tann ging darauf ein, daß die bayerische Armee sowie alles, wasvon den süddeutschen Bundestruppen kommen konnte, dorthin heranrückte.Die Eisenbahn von Bayreuth bis Prag konnte dabei benutzt werden. Aberer drang bei der Rückkehr daheim nicht durch. In München wollte mandas eigene Land nicht entblößen und sagte sich nicht, daß Bayern am