Getrennte Versammlung der Bnndestruppm
267
besten durch einen großen Sieg der Österreicher in Böhmen geschütztwerde, und daß andererseits, wenn diese geschlagen wurden, die Bayern allein es auch nicht schützen konnten. Solche einfache Logik bleibt oft un-beachtet.
Die Bayern versammelten sich also im Nordwesten des eigenen Landes.Das die übrigen süddeutschen Kräfte und die nassauischen Truppen zu-sammenfassende 8. Bundeskorps, dem sich auch die Österreicher aus Schles-wig und den Bundesfestungen anschlössen, vereinigte sich langsam bei Frank-furt a. M. Den Befehl über dies Korps übernahm der 43 jährige PrinzAlexander von Hessen , ein in russischen und österreichischen Diensten be-währter General, der auch 1859 in Italien mitgefochten hatte. Den Ober-befehl über alle Süddeutschen nahm Prinz Karl von Bayern , der kom-mandierende General der bayerischen Armee, in die Hand. Die Sachsenstanden kriegs- und marschbereit am 15. Juni in und um Dresden , dieHannoveraner noch im Lande zerstreut; sie zogen sich erst beim Anmarschder Preußen nach Göttingen zusammen. Die Kurhessen wichen in denSüden des Kurfürstentums zurück, um sich den Süddeutschen anzuschließen,während der Kurfürst selbst, ohne Verständnis dafür, was ein Krieg be-deute, in Kasfel verblieb.
5 »
Während sich diese Gruppierung der ihm feindlichen Streitkräfte voll-zog, mußte Preuße » den Aufmarsch seiner Heere vornehmen und je nachden sich ändernden Umständen regeln. Zwei große Gedanken trug Moltke ,der Generalstabschef, von Anbeginn hinein, die im wesentlichen den Ver-lauf des Krieges entschieden. Es war der Entschluß, gegen die Feinde imWesten und die Süddeutschen nur geringe Streitkräfte zu verwenden, undferner den Aufmarsch an der sächsischen und böhmischen Grenze auf aus-gedehntester Linie zu bewerkstelligen.
Für das erste war die Überzeugung maßgebend, daß sich die Versamm-lung und das Eingreifen der mittelstaatlichen Heere nur langsam, schwer-fällig und ohne Einheit vollziehen könne, daß Frankreich durch Bismarcksdiplomatische Kunst würde hingehalten werden, und daß alles davon ab-hänge, die Österreicher zu schlagen. Moltke folgte darin dem GrundsatzeNapoleons I., die Hauptmacht des Feindes zum Ziele zu nehmen, weilmit deren Niederlage dem Sieger alles übrige von selbst zufiele. Fürdas zweite war die Notwendigkeit maßgebend, die anfänglich verlorene Zeitdurch Ausnutzung aller Eisenbahnen nach der Grenze wieder einzubringenund den Vorsprung wettzumachen, den Österreich in den Rüstungen hatte.