268 VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung
Daran knüpfte sich der kühne Gedanke, die Vereinigung in Feindeslandhinein zu verlegen.
Die älteren Vorarbeiten für die Mobilmachung und den Aufmarsch derpreußischen Heere hatten einen Angriff Österreichs in der Richtung aufBerlin und ein Eingreifen Frankreichs zum Ausgangspunkte gehabt. Erstim Winter 1865/66 rechnete der Chef des Generalstabes mit der Neu-tralität Rußlands und Frankreichs , sowie mit der BundesgenossenschastItaliens . Danach mußten die vorhandenen Entwürfe umgearbeitet werden.Dies aber wurde durch die unklare politische Lage sowie den stufenweisenEintritt in den Zustand der Kriegsbereitschaft erschwert.
Bis zur Mitte Mai hatte Moltke die Überzeugung gewonnen, daßgegen West- und Süddeulschland, obschon er deren Kräfte auf 120000Mann veranschlagte, Manteuffels Truppen aus den Elbherzogtümern, dieim Westen verfügbaren überschießenden Truppenteile, die zu einer neuenDivision unter General v. Beyer zusammengefügt wurden, und noch eineder Divisionen der beiden westlichen Armeekorps — die 13. unter demvon Schleswig her rühmlich bekannten General v. Goeben — genügenwürden.
Diese 3 Divisionen bildeten die, später so benannte, Mainarmee, derenStärke allmählich 43 Bataillone, 22 Eskadrons und 15 Batterien, 46000Mann mit 97 Geschützen, erreichte, und die unter den Befehl des Gene-rals Vogel v. Falckenstein, des bisherigen kommandierenden Generals des7. Armeekorps, gestellt wurde.
Mit so geringen Kräften auskommen zu wollen, war ein Wagnis; aberin der Lage, in der sich Preußen befand, wurde ein Sieg ohne Wagnisein Ding der Unmöglichkeit.
Die 3 anderen Divisionen aus dem Westen, die 14., 15. und 16., wur-den unter dem kommandierenden General des 8. Armeekorps, Herwarthv. Bittenfeld, zur Elbarmee vereinigt, die außerdem 2 Kavalleriebrigadenund die beiden Neserveartillerien der westlichen Korps erhielt. Sie wurdenach dem Hauptkriegsschauplatze, zunächst gegen Sachsen, herangezogen undvon Düsseldorf und Coblenz her nach Halle und Zeitz befördert. Spätererfuhr sie noch eine Verstärkung durch die Gardelandwehrdivision und stiegdamit auf 50 Bataillone, 34 Eskadrons und 26 Batterien, 50000 Ge-wehre, 4600 Reiter und 156 Geschütze.
Die 7 östlichen Preußischen Armeekorps wurden in zwei Armeen zusammen-gefaßt. Die I., unter Prinz Friedrich Karl aus dem 2., 3. und 4. sowieeinem Kavalleriekorps gebildet: 72 Bataillone, 74 Eskadrons, 50 Batterien,mit 72000 Gewehren, 10 000 Reitern und 300 Geschützen stark, versam-