Umstellung der Hannoveraner
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gemischte Abteilung Besatzungstruppen aus Magdeburg ging über Bleicherode nach Urleben nordöstlich Langensalza vor. Am 23., wo die Hannoveraner dieseStadt erreichten, waren sie, allerdings noch in größerer Entfernung, umstellt.Aber gerade an diesem Tage gedachte Falckenstein, nur wenig vom Ver-bleib des Gegners unterrichtet, sie zwischen Nordheim und Göttingen an-zugreisen, und zog Beyer in dieser Richtung, vermeintlich gegen den Rückender Feinde, heran. So öffnete sich der Kreis. Falckenstein, der am 22.gegen Mittag von Hannover , wo er die Verwaltung geregelt hatte, beiNordheim eintraf, gewann aus den ihm vorliegenden Meldungen die An-sicht, daß die Hannoveraner nicht mehr einzuholen seien. Er hatte für den23. im allgemeinen Ruhe angeordnet, der dann der Vormarsch auf Frank-furt a. M. gegen das 8. deutsche Bundeskorps folgen sollte. Am 23. frühjedoch erhielt er aus Berlin den bestimmten Befehl, unverzüglich eine starkegemischte Abteilung mit der Eisenbahn über Kassel nach Eisenach zu ent-senden, um den Abmarsch der Hannoveraner zu hindern. Diese wurden,trotz ihrer starken Kavallerie, der augenblicklichen Gunst der Umstände nichtinne. Sie rasteten am 23. morgens gerade südlich Mühlhausen, als dieerste Aufforderung an sie erging, die Waffen zu strecken, da sie umringtseien. Auch die Hannoveraner besaßen ein gewisses Interesse am Zeit-gewinn; sie wollten die Einwirkung der Bayern wirksam werden lassen.Es kam also zu Verhandlungen mit Berlin , die während der ganzen fol-genden Nacht und auch am 24. Juni fortdauerten, aber natürlich ergeb-nislos verliefen.
Sie hatten am 23. schon marschbereit gestanden, waren am 24. wiederzusammengezogen worden, hatten zum Teil sogar den Vormarsch begonnenund waren bei Mechterstedt gegen eine dort zum Eisenbahnschutz stehendeKompagnie ins Gefecht getreten, als sie wiederum haltmachten. Anlaßdazu war ein von Oberst Dammers gestelltes Verlangen freien Durch-zuges gegen die Verpflichtung, einjähriger Untätigkeit. König Georg wiesden Vorschlag am Ende schroff zurück.
Die Zeitverluste kamen natürlich den Preußen zugute. Der Telegraphspielte, um noch erreichbare Truppen heranzuholen. Falckenstein, der aufden ersten Befehl nur geringe Vorbereitungen getroffen hatte, wurde er-neut aufgefordert, Truppen sowohl über Magdeburg als über Kassel nachGotha—Eisenach abzusenden. Er verfügte nun, daß eine Brigade Man-teuffels den ersten Weg nehmen, Goeben, der mit seiner Division zu Fußund auf der Bahn zwischen Göttingen und Münden unterwegs war, so-viel Truppen als möglich nach Eisenach senden sollte.
Beyer hatte auf einen an ihn ergangenen Hilferuf schon 6 Kompagnien
Frhr. v. d. Boltz, Kriegsgeschichte II 13