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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

zu Wagen und auf Eisenbahnzügen nach Eisenach entsendet und traf dortam Morgen des 25., nach ermüdendem Marsche und kurzer Nachtruhe,mit einer Abteilung gemischter Waffen selber ein. Auch Goeben kam jetztmit 5 Bataillonen an, so daß nunmehr an 11 Bataillone, 3 Eskadrons,1 Batterie dort verfügbar waren, und dem Durchbruch der Hannoveranerernster Widerstand geleistet werden konnte. Alle Truppen hatten freilichäußerste Anstrengungen hinter sich.

König Georg war erneut zur Waffenstreckung aufgefordert wordenund erbat 24 Stunden Bedenkzeit. Eine Art von Waffenruhe wurdevereinbart. Nachmittags traf Falckenstein in Eisenach ein, ohne davonanders als durch einen hannoverschen Offizier Kenntnis zu haben. Zu-gleich aber kam die freilich falsche Kunde, daß die Bayern mit starkenKräften bei Vacha, 30 Kilometer südlich Eisenach , eingetroffen seien. Umnicht zwischen zwei Feuer zu geraten, beschloß Falckenstein nunmehr denAngriff gegen die Hannoveraner für den nächsten Morgen. Er beauf-tragte Goeben mit der Durchführung, der sich sogleich ans Werk machte.

Von Berlin her wurde sür den 26. Juni 10 Uhr früh die Waffenruhegekündigt. Um dieselbe Zeit standen von den bunt durcheinander gewür-felten Truppen 12000 Mann, 550 Pferde, 23 Geschütze unter Goebenbei Eisenach , General v. Glümer von Beyers Division mit 8000 Mann,250 Pferden, 6 Geschützen bei Creuzburg und Treffurt. Bei Gotha lagerteder von Manteuffels Division jetzt eingetroffene General v. Flies mit 6200Mann, 225 Pferden und 22 Geschützen. Dazwischen befanden sich, wiederum Langensalza zusammengezogen, die Hannoveraner. Der Rest derpreußischen Truppen Manteuffels war noch bei Göttingen und Münden ,der von Beyers Division nahe Eschwege , der der Goebenschen Divisionin Kassel .

Die bestimmt auftretende Nachricht, daß die Hannoveraner noch am 25.abends durch Mühlhausen, also nordwestlich, zurückgegangen seien, ver-mehrte noch die Unklarheit und Spannung der Lage. Falckenstein erhieltvon Berlin Befehl, ihnen zu folgen. Er zweifelte nicht an der Richtigkeitder Angabe, da die an der Eisenbahn bei Mechterstedt erschienenen Han-noveraner wieder verschwunden waren, und ordnete die Verfolgung an.Flies sollte ihnen von Gotha auf dem Fuße bleiben, Manteuffel mit denbei Göttingen verfügbaren Truppen sie angreifen, die Beyerschen Truppenvon Treffurt und Creuzburg sie längs der Werra begleiten, die Goeben-schen bei Eisenach die Bayern abhalten. Goeben besetzte Vacha , fanddort aber nichts vom Feinde vor.

Dem König Georg waren von Bismarck nochmals günstige Bedingungen