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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Eipel bei Königinhof, mit dem ö. Armeekorps über Glatz und Nachod beiGradlitz . Die Gefahr eines solchen getrennten Vormarsches durch dreiGebirgsengen, namentlich für das S. Korps, war klar, aber der Erfolghing davon ab, und er wurde gewagt. Dem linken Flügel sollte zudemdas 6. Armeekorps folgen.

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Benedeks untätiges Verharren in Mähren erregte bei allen denen Ver-wunderung, die die inneren Gründe nicht kannten. Der für kühn undverwegen gehaltene General schien Österreichs Bundesgenossen im Stichezu lassen. Krismanic wollte erst alles fein säuberlich beisammen haben,bevor er zu Taten schritt. Feldherren, die sämtliche Vorbedingungen desErfolges erst in ihrer Hand zu haben wünschen, ehe sie losschlagen, Pflegenaber den Augenblick zu versäumen, in dem der Sieg ihnen möglich war.Zudem will das Schicksal meist, daß sie auch den ersten Zweck nicht er-reichen, weil die Ereignisse sie am Ende zwingen, doch früher als ur-sprünglich gedacht zu handeln. So erging es auch hier. Benedek trautesich in der Leitung großer Operationen zu wenig zu, um einzugreifen.Ein Telegramm Kaiser Franz Josefs aber mahnte am 16. Juni mitRücksicht auf die Verhältnisse in Deutschland zum Aufbruch, ohne ihnbestimmt zu fordern.

Am 17. Juni gab er, trotzdem noch einige Truppenteile zurückblieben,die Befehle dazu. Sie wurden mit Jubel in Empfang genommen.

In drei großen Kolonnen setzte sich die Nordarmee in Bewegung. Rechtsmarschierten das 10., 4. und 6. Armeekorps sowie die 1. Reservekavallerie-division über Mährisch-Trübau, Geiersberg, Solnitz, Opotschno auf Josef-stadt , in der Mitte das 3. und 8. Korps mit der 3. Neservekavallerie-division auf der Straße von Brünn über Lettowitz, Wildenschwert, Tinistund Königgrätz ebenfalls auf Josefstadt , die linke, 2. Reservekavalleriedivi-sion und Armeegeschützreserve über Politska, Leitomyschl und Hohenmauth auf Königgrätz . Am 26. Juni sollten die vordersten Korps der beidenHauptkolonnen die zunächst auserwählte Stellung von Josefstadt undGroß-Bürglitz erreichen. Das 2. Korps und die 2. leichte Kavalleriedivisionschützten den Marsch an der Grenze und sollten ihm dann folgen. Ruhe-tage wurden nicht gewährt; die Verpflegung sollte durch freihändigen An-kauf gesichert werden, was zur Folge hatte, daß wohl die ersten Korpsgut lebten, die anderen aber Mangel litten. Die Eisenbahn wurde nurzum Provianttransport benutzt.

Am 22. begab sich Benedek mit seinem Stäbe von Olmütz nach Böh-