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misch-Trllbau. „Er war ganz ein Kind der Verhältnisse: Ungar von Geburtund Temperament, Großösterreicher von Erziehung, Beruf und Dankgefühl,zeigte er sich bald von Hoffnungen gehoben, bald von seiner Riesenaufgabeniedergedrückt." Am 24. Juni äußerte er sich auf einem Spaziergange zuseiner Umgebung: „Ich glaube, ich werde sie doch schlagen."
Der Marsch glich etwa demjenigen Napoleons I. durch Franken vom8. bis 13. Oktober 1806. Er wurde sehr anstrengend; es herrschte glühendeSonnenhitze, Stockungen traten mehrfach ein. Die Anstrengungen für dieTruppen waren bedeutend. Aber selbst Krismanic drängte jetzt zur Eile.Am 28. sollten die 5 Armeekorps der rechten und mittleren Kolonne umJosefstadt vereinigt sein; denn schon kündigten die Nachrichten an, daß diePreußen von drei Seiten her gegen den von ihnen einzunehmenden Halb-kreis heranrückten. Früher als sie den Mittelpunkt zu erreichen, war vongrößter Wichtigkeit. Nötigenfalls wollte man dort in einer Verteidigungs-stellung die Schlacht annehmen; doch trug das Hauptquartier sich nochmit der Hoffnung, die Jser vielleicht vor den Preußen zu erreichen.
Trotz den Beschwerden des Marsches in der Versammlung war dasHeer guter Stimmung. „Kriegerischer Sinn beseelte die Truppen, vonfreudigster Zuversicht waren, mit Ausnahme vielleicht der obersten Spitzen,Offiziere wie Soldaten bewegt; sie unterschätzten den Gegner und hofften,ihn durch die Stürme ihrer Stoßtaktik über den Haufen zu rennen." DasVolk begleitete das Heer mit heißen Wünschen ins Feld. Reisende, dieaus Böhmen nach Norddeutschland heimkehrten, weissagten den Preußeneinen schlimmen Ausgang wegen der Begeisterung, die in ganz Osterreich und zumal bei seinen Truppen herrschte, während man bei uns angeblichnur mürrisch und der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, in denvon einem ehrgeizigen Ministerpräsidenten entzündeten „Bruderkrieg" zöge.Die Truppen dachten freilich anders. Sie waren einstimmig entschlossen,ihre Schuldigkeit aufs Äußerste zu tun, und freuten sich, endlich einmalihre Tüchtigkeit auf dem Schlachtfelde beweisen zu können. Pflichtgefühlund Disziplin aber wirken nachhaltiger als Begeisterung.
Auf das Eintreffen der Bayern in Böhmen durfte Benedek seit einerihm am 18. Juni zugehenden Mitteilung nicht mehr hoffen. Ohne Mit-hilfe der Bayern und Sachsen hielt er eine Offensive für gewagt. In-folge der Beschleunigung der Märsche traf das 10. Korps schon am25. Juni zwischen Josefstadt und Schurz am rechten Elbufer ein undnahm Front nach Osten, während die 1. Reservekavalleriedivision seit demTage vorher bei Skalitz stand. Ihre Vorposten hielt sie an der Grenze.Die rechte Kolonne befand sich im Augenblick zwischen Opotschno und