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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Kämpfe um die Jserlüue

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den neuen Feind und ehemaligen Bundesgenossen war für die Preußen sehr glücklich verlaufen. Sie hatten nur 4 Offiziere, 46 Mann, die Öster-reicher 13 Offiziere, 264 Mann verloren.

Kronprinz Albert erhielt die Nachricht von der Räumung von Turnau und Hühnerwasser gleichzeitig mit einem Befehl Benedeks, die Jserliniejedenfalls zu halten. Er beschloß, die verlorenen Übergänge sogleich wieder-zunehmen; denn er deutete den Befehl dahin, daß Benedek beabsichtige,von der Jser aus gegen Prinz Friedrich Karl vorzugehen.

Turnau sollte von der durch einige Jnfanteriebataillone verstärkten Ka-valleriedivision wieder genommen werden, eine der österreichischen Brigaden Poschacher nach Podol, das sächsische Korps nach Münchengrätzheranrücken, wie er es ursprünglich beabsichtigt hatte.

Das Nachtgefecht von podol am 26./27. Juni ^366

Die Brigade Poschacher brach um 9 Uhr abends auf, hatte aber kaumden halben Weg zurückgelegt, als von Podol her lebhaftes Gefecht her-überschallte. Eine Vorhut der preußischen 8. Division hatte inzwischen dieösterreichischen Vorposten zurückgeworfen und, dem Befehl des PrinzenFriedrich Karl entsprechend, die Brücke von Podol genommen. Zwar ge-lang es nun der herankommenden österreichischen Brigade, die in den Orteingedrungenen preußischen Kompagnien wieder über die Brücke zurück-zuwerfen, aber General v. Bose führte aus dem nahen Nachtlager desGros der Division persönlich mehrere Bataillone vor, wies die Vorstößeder Österreicher auf dem rechten Jserufer zurück, nahm Podol abermals,machte im Dunkel viele Gefangene und eroberte am Ende auch die Brückenim Handgemenge wieder. Weiter vorzudringen war einstweilen nichtmöglich, da der herbeigeeilt« General Clam Gallas auch noch die Bri-gade Abele herangerufen hatte, so daß die Überlegenheit der Österreicherzu groß geworden war. Ein Vorstoß, den sie unternahmen, um dieBrücken nochmals zu besetzen, wurde jedoch zurückgewiesen. Um 1 Uhrnachts war das Gefecht beendet. Es hatte deutlich die überlegene Ge-wandtheit und Manneszucht der Preußen erwiesen; denn sie verloren nur12 Offiziere, 118 Mann, die Österreicher aber nicht weniger als 33 Offi-ziere, 1015 Mann, darunter 427 unverwundete Gefangene. Die Stoß-taktik, die in der Nacht noch am ehesten angebracht ist, begann zu ver-sagen. Die Übergänge über die obere Jser waren endgültig in preußischerHand.