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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Der 27. Juni I.S66

Prinz Friedrich Karl erfuhr von diesen Vorgängen erst am 27. Juniabends. Elb- und I. Armee waren daher an diesem Tage im allgemeinenstehengeblieben und nur in sich aufgerückt. Für den 28. Juni war derAngriff auf Münchengrätz in Aussicht genommen.

Wir wenden uns nun zur II. preußischen Armee, die im Begriff stand,aus dem Gebirge herauszutreten. Das 1. Korps lagerte am 26. Junibei Liebau und Schömberg , die Garde, die die Grenze überschritten hatte,bei Braunau und Politz, das ö. Korps bei Reinerz . Die Vorhut diesesKorps aber besetzte am Nachmittage noch das am Ausgange des Gebirgspassesliegende böhmische Städtchen Nachod , von wo eine gemischte österreichischeAbteilung nach kurzem Widerstande an der Mettaubrücke auf Wysokow ab-zog. Die Brücke fanden die Preußen zerstört, stellten sie aber wieder herund legten daneben zwei neue Übergänge an. Das 6. Korps hatte in-zwischen Glatz und Landeck erreicht.

Feldzeugmeister Benedek, der am 26. Juni vormittags in Josefstadt eingetroffen war, erhielt dort die Nachricht, daß starke preußische Kräfteschon vor Trautenau und Nachod erschienen seien, und sandte Mitteilungdavon an den Kronprinzen Albert. Seine Absicht, gegen die I. preußischeArmee aufzumarschieren, hatte er noch nicht aufgegeben. Allein die be-drohliche Nähe der II. bewog doch ihn, gegen diese mehr Kräfte stehen zulassen, als für seinen Plan angemessen erschien. Schon war außer dem10. das 4. Korps an der oberen Elbe angekommen; jetzt erhielt das nörd-lich Opotschno eingetroffene 6. Korps Befehl, am 27. nach Skalitz zumarschieren und eine Vorhut gegen Nachod zu entsenden; die 1. Reserve-kavalleriedivision wurde ihm unterstellt. Das 10. Korps aber sollte gleich-zeitig nach Trautenau vorgehen, wo es die Windischgrätzdragoner schonvorfand, und ebenfalls noch eine Avantgarde weiter hinaussenden. AlsZweck des Vorgehens wurde beiden Korps die Sicherung des Aufmarschesder Armee bei Josefstadt bezeichnet, aber hinzugefügt, daß diesnichthindern solle, dem Gegner, wo er sich zeigt, mit aller Energie zu Leibezu gehen". Diese Wendung war ganz in Benedeks Geist abgefaßt, bargaber die Gefahr, unbesonnenes Vorgehen und Teilniederlagen zu ver-anlassen.

Für die mittlere und linke Kolonne seines Heeres befahl Benedek, daßdas 8. Korps das von der Elbe vorgehende 10. ersetzen, das 3. an das4. bei Königinhof heranrücken, die 2. und 3. Reservekavalleriedivision mitder Reserveartillerie nach Schmirsitz folgen sollten. Das 2. Korps und