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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

trafen das Infanterieregiment 46 gerade zur Zeit ein, als der öster-reichische Angriff von neuem begann. Er kam vom Wäldchen nördlichWenzelsberg her und wurde lebhaft durchgeführt, scheiterte aber wiederam preußischen Schnellfeuer. Als die Angreifer wichen, warf sich dasDragonerregiment 8 auf sie, ritt eine glänzende Attacke und nahm eineFahne.

Die jetzt östlich Kleny auffahrenden 40 Geschütze der österreichischenKorpsreserve erschwerten die weitere Entwicklung der 10. Division auf derHochfläche zwischen Wenzelsberg und Wysokow, konnten sie aber nicht auf-halten. Als 9 preußische Halbbataillone vom Gros dort vereint warenund 2 der Avantgarde sich ihnen anschlössen, drangen sie gemeinsam sieg-reich vor, säuberten die Höhe und nahmen das Wäldchen nördlich Wenzels-berg. Zwar suchte Rammiug es durch Bataillone der in den Kampf ge-tretenen Brigade Waldstätten wiederzugewinnen doch vergeblich. DerWendepunkt war eingetreten. Auch die Wenzelskirche ging verloren, undnach 1 Uhr fluteten die Brigaden Jonak und Rosenzweig auf Schouowund Prowodow zurück. Ramming ließ allerdings die noch übrigen 4 Batail-lone der Brigade Waldstätten durch 3 Batterien und 1 Kavallerieregimentunterstützt, gegen Wysokow und die Höhen nördlich dieses Dorfes vor-gehen, aber auch dieser letzte Akt des heftigen Kampfes endete mit einerNiederlage. General v. Kirchbach wehrte mit den letzten Truppen der20. Division den Stoß glänzend ab. In Wysokow kam es dabei zu leb-haftem Dorfgefecht.

Begleitet vom Feuer der nach der Höhe zwischen Wysokow und demWäldchen vorgeeilten preußischen Batterien ging das österreichische Korpsauf Skalitz zurück. Seine Vorposten blieben bei Spitta und Kleny stehen.Es hatte sehr schwere Verluste erlitten, nämlich 232 Offiziere, 5437 Mann,darunter freilich 5 Offiziere, 977 Mann an unverwundeten Gefangenen.8 Geschütze, 1 Fahne, 2 Standarten blieben in der Gewalt der Sieger.Feldmarschalleutuant Ramming meldete an Benedek, daß er ohne Unter-stützung am nächsten Tage nicht imstande sei, einen Angriff abzuwehren.Hitze und Anstrengung hatten viel dazu beigetragen, am meisten aber wohldas völlige Versagen der eigenen neuen Jnfanterietaktik.

Das preußische Korps vermochte nicht zu folgen. Es blieb bei Wysokowund Altstadt stehen, die Ermüdung war groß, der Verlust aber nichtbedeutend. Er betrug 62 Offiziere, 960 Mann, darunter nur 14 Ver-mißte.