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Königgrätz vor. Größere feindliche Streitkräfte in der rechten Flankedieses Vormarsches soll General Herwarth angreifen und von der feind-lichen Hauptmacht abdrängen."
Der Schlußsatz rührte von der am 29. Juni im Hauptquartier desPrinzen Friedrich Karl entstandenen irrigen Annahme her, daß die feind-liche Jser-Armee größtenteils auf Jungbunzlau zurückgegangen sei.
Abends traf der König in Reichenberg ein, wo er im Schlosse des beiGitschin geschlagenen Grafen Clam-Gallas abstieg. —
Drüben im Kaiserlichen Heere sah es trübe aus. Schwere Stundentraten für das Oberkommando ein. Das Vertrauen auf die Truppen undden Sieg ging verloren, als am 30. früh die Hiobspost von Gitschin ankam.
Die Korps an der oberen Elbe waren wenig zur Ruhe gekommen. DieBewegung der starken Heeresmassen auf engem Raum verursachten vielMißverständnisse. Es kam vor, daß sich Truppen in der Dunkelheit gegen-seitig beschossen. Die Kanonade von Gradlitz hielt sie stundenlang unterdem Gewehr. Am Nachmittage wiederholte sich dieselbe Szene. Am Endeerreichten sie folgende Plätze: das 1. Korps und die 1. Reservekavallerie-division als rechter Flügel die Gegend nordwestlich Jaromer, in der Mittedas 2., 8. und 6. Korps mit der 2. leichten Kavalleriedivision eine Stellungmit der Front gegen die Brücke von Schurz, die 2. und 3. Reservekavallerie-division als linker Flügel im Gelände vor dem Übergange von Königin-hof. Das 10. Armeekorps stand hinter der Mitte, das 3. Korps nach wievor bei Miletin.
Daß die Offensive gegen Westen aufgegeben werden und die Armee sichauf die Verteidigung in ihrer Stellung beschränken müsse, war nunmehrunzweifelhaft klar. Auch diese, nach zwei Seiten hin gewendet, war un-günstig genug. 6 Korps hatten durch unglückliche Kämpfe und schwereVerluste schon arg gelitten; das 1. meldete, nicht mehr kampffähig zu sein.Die Einbuße wurde auf 30000 Mann geschätzt, das Selbstgefühl war starkerschüttert, die Ermüdung groß, Mangel aller Art fühlbar. Ein Rückzugwurde unvermeidlich und nachmittags um 3 Uhr der Abmarsch in eineneue Stellung nordwestlich von Königgrätz befohlen. Kronprinz Albertwurde beauftragt, seine Truppen bei Nechanitz zu vereinigen. Der Kaisererhielt Meldung; der Aufbruch erfolgte im allgemeinen um Mitternacht.
Der l- und 2. Juli
Der Rückmarsch der österreichischen Armee fiel wiederum außerordentlichanstrengend aus, wie es bei dem Zusammendrängen so großer Truppen-massen erklärlich ist. Das Fuhrwesen hinter der Armee kam nicht vor-