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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Versammlung der Österreicher nach rückwärts

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wärts, sondern sperrte die Straßen. Es sollte hinter die Elbe abfahren,fand aber die der Festung Königgrätz zunächst gelegenen Übergänge durchkünstliche Anstauungen unbenutzbar gemacht und mußte warten. DieTruppen standen vielfach stundenlang still. Zum Teil erst abends am1. Juli und in der Nacht zum 2. trafen sie, trotzdem die Märsche in derLuftlinie nicht groß waren, an folgenden Punkten ein: (Vergl. Skizze 31.)

das 2. Korps auf dem rechten Flügel bei Sendrasitz auf dem süd-lichen Ufer der Trotina, die 2. leichte Kavalleriedivision auf das nörd-liche Ufer vorgeschoben,

das 4. Korps, die 2. Reservekavalleriedivision und das 8. Korps östlichund südlich von Nedelist, je eine ihrer Jnfanteriebrigadeu bei Maslowedund Horenowes zurückgelassen,

das 3. Korps und links neben ihm die 3. Reservekavalleriedivision hinterdem Bistritzabschnitt südöstlich Sadowa,

das 10. Korps bei Lipa,

das 6. und die 2. Neservekavalleriedivision südöstlich Wsestar,das 1. bei Kuklena westlich Königgrätz , die 1. leichte Kavalleriedivisivnbei Stößer.

Den äußersten linken Flügel bildeten die Sachsen mit der DivisionSchimpfs westlich Nieder-Prim, der Division Stieglitz bei Lubno, derReiterdivision bei Nechanitz an der Bistritz .

Der Feldzeugmeister begab sich mit seinem Stäbe nach der Prager Vor-stadt. Die Eindrücke, die er beim Vorüberreiten an den Marschkolonnenvon den übermüdeten, in gedrückter Stimmung dahinziehenden Truppenempfing, waren so ungünstig gewesen, daß er an jedem Erfolge fernerenWiderstandes verzweifelte. Zwar fand er in Königgrätz einen telegraphi-schen Ausdruck des Vertrauens vor, das der Kaiser in ihn setzte, aberauch dies vermochte ihn nicht aufzurichten. Den eben zum Zweck münd-licher Berichterstattung von Wien angekommenen Flügeladjutanten Oberst-leutnant v. Beck forderte er auf, dem Kaiser zum Frieden zu raten undsandte, als dieser es verweigerte, das bekannte Telegramm an seinen Mo-narchen:Bitte Euer Majestät dringend, den Frieden zu schließen; Kata-strophe für Armee unvermeidlich."

Beck hatte zum Rückzug hinter die Elblinie PardubitzKolin geratenund der Generalstabschef ihm zugestimmt, Benedek sich aber noch nichtdazu entschlossen. Als nun kein Vormarsch der Preußen gemeldetwurde, als die in ihre Lager eingerückten Truppen sich durch einigeRuhe erholt hatten, und sich ein guter Geist bei ihnen kundgab, faßte erwieder Vertrauen. Als des Kaisers Antwort um 2 Uhr nachmittags ein-