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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

traf:Einen Frieden zu schließen unmöglich. Wenn Rückzug nötig, istderselbe anzutreten. Hat eine Schlacht stattgefunden?" befahl er, daßdie Armee am 2. Juli in ihrer Stellung stehen bleiben solle. Auf denHöhen zwischen Nedelist und Lipa wurden Geländeverstärkungen angelegt,um die II. preußische Armee abzuhalten. An den Kaiser ging ein ruhigergefaßtes langes Telegramm ab, in dem er als Ursache der großen Verlustedas Zündnadelgewehr bezeichnete,von dessen mörderischer Wirkung alleohne Unterschied impressioniert bleiben, die im Gefecht waren". Er sprachdann vom Rückzüge auf Pardubitz am 3., aber auch von einem Offensiv-stoße falls sich die Gelegenheit dazu ergibt und davon, die Armeesogut wie möglich" wieder nach Olmütz zu bringen. Zu voller Klarheitdes Entschlusses war er noch nicht gekommen. Das trat hervor, als ermittags 2 Uhr seine Korpskommandanten um sich versammelte. Er er-klärte ihnen nur, daß er der Armee in der augenblicklichen Stellungnoch einige Tage Ruhe gewähren wolle. Auf die Bemerkung des Generalsv. Edelsheim, daß die Preußen dazu keine Zeit lassen würden, ging ernicht ein. Jedenfalls erwartete er die Schlacht noch nicht am folgendenTage.

Übel für ihn war, daß er das Vertrauen auf seinen Stab, zumal dessenleitenden Geist, General Krismanic, eingebüßt hatte. Er verlangte dessenErsetzung, aber auch Henikstein, der ihm näher stand und Graf Clam-Gallas wurden abberufen. Am 3. Juli früh übernahm General v. Baum-garten die Stellung des Generalstabschefs, General Graf Gondrecourt das1. Korps. Auch ein Wechsel pflegt in solch kritischen Augenblicken nurselten gut zu wirken. Krismanic arbeitete noch am 3. die Befehle aus.

Die bis zum Abend des 2. Juli eingehenden Nachrichten besagten, daßdie II. preußische Armee hinter der oberen Elbe zwischen Gradlitz undKöniginhof stehe, daß ein Regiment der I. in Cerekwitz an der Bistritz eingerückt sei, und daß Truppen derselben sich auch schon in Miletin undDubenetz gezeigt hätten. Beruhigend wirkte, daß die besonders sorgfältigbetriebene Aufklärung östlich der Elbe bis nach Neustadt hin ergab, daßdort noch keinerlei Gefahr vorläge, der Rücken der Armee und der Ab-marsch nach Olmütz also noch nicht bedroht sei.

Eine Katastrophe hätte für die Armee eintreten können, wenn die Siegeram 1. Juli verfolgten; doch das war nicht geschehen. Augenscheinlichwurden die beiden preußischen Oberkommandos von der Empfindung be-herrscht, daß nunmehr die einleitenden Kämpfe, durch die sie sich den Wegzur Vereinigung hatten eröffnen müssen, siegreich bestanden seien. Jetzterwarteten sie die Vereinigung und dann die entscheidende Schlacht, zu