Keine enge Vereinigung zur Schlacht
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der man, nach Napoleons I. Gesetz „in Masse vorrücken solle." VomKronprinzen war schon gemeldet worden, daß er am 2. gegen Miletinmarschieren wolle, um die I. Armee zu treffen. Der Gedanke, daß derFeind durch weiteres getrenntes Vorgehen von neuem umfaßt, vielleichtumzingelt und wirklich in eine Katastrophe verwickelt werden könne, istnicht erwogen worden. Das Ruhebedürfnis machte sich allerorten geltend.
Die Fühlung mit dem Feinde ging darüber verloren, man glaubte ihnim Rückzüge auf Pardubitz ; eine neu angelegte Operation gegen ihn mußteeinsetzen.
Prinz Friedrich Karl rückte mit seiner Armee, auf Grund des Kohl-furter Telegramms, in die Linie Miletin—Horitz—Baschnitz ein und ruhtedort am 2. Juli. Nur Avantgarden wurden weiter vorgeschoben.
Den Kronprinzen veranlaßte dasselbe Telegramm, in seiner Stellungam linken Elbufer zu verbleiben und am 1. Juli früh nur das 1. Armee-korps über Ober-Praußnitz bis nahe an die Straße Gitschin —Miletin vor-gehen, die 1. Kavalleriedivision bis südlich Arnau an die Elbe folgen zulassen. Die Vorhut der 1. Gardedivision überschritt selbständig bei Kö-niginhof die Elbe und ging noch 5 Kilometer südwestlich weiter vor.
Weder der Abmarsch der Österreicher aus der nördlichen Stellung beiJosefstadt in die südliche bei Königgrätz , noch ihre Aufstellung in dieserwurden entdeckt. Die zahlreiche preußische Kavallerie stand unter demBanne der Vorstellung von einer Neservekavallerie, die schon 60 Jahrefrüher bei Preußisch-Eylau verhängnisvoll wirkte. Sie beherrschte diehöhere Führung des Heeres noch immer.
Das große Hauptquartier war am 1. Juli von Reichenberg nach SchloßSichrow gegangen. In Moltkes Sinne lag eine unmittelbare Vereinigungder Armeen durchaus nicht. Sie waren einander nahe genug, um desZusammenwirkens und der gegenseitigen Unterstützung sicher zu sein undbehielten mehr Freiheit der Bewegung, wenn sie in der Trennung ver-harrten. Die Absicht der II. Armee, nach Miletin zu marschieren, ließ einzu enges Zusammendrängen der Massen befürchten, dessen üble Folgenman bei der I. Armee eben erfahren hatte. Er fuhr daher nach Gitschin ,beschied von jeder Armee einen Generalstabsoffizier dorthin und ordnetedas Stehenbleiben beider Armeen an, das diesen um so lieber war, alsdie Verpflegung tatsächlich noch der Ordnung bedürfte und die Ermattungder Truppen viel Marschverluste verursachte.
Nur die Elbarmee sollte am 2. Juli von Liban nach Smidar heran-rücken.
Alle allgemeineren Bewegungen wurden auf den 3. Juli verschoben und