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von dem Ergebnis der Erkundungen abhängig gemacht, die auch auf das linkeElbufer in der Richtung gegen die Aupa und Mettau ausgedehnt wurden.
Moltke erwog, daß die Österreicher wohl in der starken Stellung hinterder Elbe zwischen den beiden Festungen Josefstadt und Königgrätz stehenkonnten oder schon abmarschiert seien. Er wollte sich dennoch die Freiheitoffen halten, je nach den Umständen mit der Armee zu beiden Seiten derElbe südlich vorzugehen oder die Hauptkräfte am rechten Ufer auf Par-dubitz in Bewegung zu setzen.
Den unwahrscheinlichen Fall, daß sie noch vorwärts der Elbe stehenbleiben würden, um sich dort angreifen zu lassen, zog er trotzdem insofernin Betracht, als er in dem seine Auffassung wiedergebenden Befehl an-ordnete, daß größere Streitkräfte des Feindes, die sich dort befinden sollten,sofort mit Überlegenheit anzugreifen seien.
Daß nicht nur ein Teil, sondern die ganze Armee vorwärts der Elbe stand, hat ihn überrascht, aber es war eine freudige Überraschung.
Die I. preußische und die österreichische Armee standen sich schon zunahe gegenüber, als daß ihre Anwesenheit verborgen bleiben konnte. DerVorabend von Solferino sollte keine neue Auflage erleben.
Die preußischen Vorposten bei Cerekwitz erkannten ein österreichischesLager bei Lipa und hörten, daß den ganzen 1. Juli über Truppen vonGroß-Bürglitz dorthin marschiert seien, ein Offizier hatte Benatek besetzt ge-funden, ein Kavallerieregiment, das gegen Josefstadt vorging, beobachtetegrößere Massen feindlicher Infanterie. Diese Nachrichten liefen im Haupt-quartier der I. Armee am Nachmittage ein. Dann kam zwischen 6 und7 Uhr Major v. Unger vom Generalstabe des Prinzen Friedrich Karl voneinem Erkundungsritt zurück. Er hatte die österreichischen Vorposten kühndurchbrochen und bei Dub eine Brigade auf Vorposten, das 3. österreichischeKorps bei Sadowa, das 10. bei Langenhof, das 1. weiter zurück gegenKöniggrätz , die Sachsen bei Problus gefunden.
Der Vorhang war gelüftet. Prinz Friedrich Karl glaubte an einenAngriff, den Benedek gegen ihn vorhabe. Er entschloß sich aber doch so-fort zu einem Gegenangriff und stellte seine Truppen noch in der Nachtund am frühen Morgen eng versammelt an der Straße Horitz—Sadowabereit. General v. Herwarth sollte mit soviel von seinen Truppen wiemöglich und auch so früh als angängig nach Nechanitz vorrücken. DerKronprinz wurde gebeten, mit einem Korps oder mehr über Königinhoheranzukommen und den linken Flügel der I. Armee gegen Angriffe zuschützen, die von Josefstadt ausgehen würden.
Dann eilte der Chef des Generalstabes der I. Armee, General v. Voigts-