Am Vorabend der großen Entscheidung
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Rhetz in das am 2. Juli nach Gitschin verlegte Königliche Hauptquartier,um Absicht und Anordnungen des Prinzen zu melden. Besser als dieenge Versammlung wäre es vielleicht gewesen, in breiter Front gegen die12 Kilometer lange Linie von Problus bis Benatek, in der die Österreicherentdeckt worden waren, vorzugehen, die Elbarmee aber, weiter ausholend,gegen ihre linke, zwei Korps der II. Armee gegen die rechte Flanke umfassendeingreifen zu lassen. Dann waren noch zwei Korps der letzteren bereit, umvom linken Elbufer her im Rücken der Österreicher auf dem Schlachtfeldezu erscheinen, und eine Umzingelung wäre nicht ausgeschlossen gewesen.
Aber jetzt war es zu spät dazu, selbst wenn daran gedacht worden ist.Die Truppen der I. Armee befanden sich bereits auf dem Marsche, undnichts ist gefährlicher, als eine in Gang gebrachte Bewegung großer Heeres-massen in letzter Stunde abzuändern. Selbst wenn man glaubt, daß dieseBewegung nicht die beste ist, die sich hätte anordnen lassen, tut man gut,damit zu rechnen und das Einrenken auf den nächsten günstigen Augen-blick zu verschieben. Heereskörper wollen, wie ein empfindsames Pferd,mit leichtem Zügel gelenkt werden.-
So erklärte sich auch Moltke augenblicklich einverstanden, hielt demKönige Vortrag, benachrichtigte die II. Armee uud befahl ihr „mit allenKräften zur Unterstützung der I. Armee gegen die rechte Flanke des vor-aussichtlichen feindlichen Anmarsches vorzurücken und dabei so bald alsmöglich einzugreifen."
Ganz ebenso hatte sich der Kronprinz entschlossen, als er Friedrich Karls erste Aufforderung erhielt. Dann war sein Stabschef Blumenthal ausGitschin zurückgekommen, wohin er vergebens geeilt war, um noch einmalMoltke zur örtlichen Vereinigung beider Armeen am rechten Elbufer zuüberreden. Er hielt daher die Ausführung der Absicht seines Oberbefehls-habers nicht für zulässig. Dann aber hob um 4 Uhr morgens die An-kunft des Allerhöchsten Befehls alle Zweifel. Der überbringende Flügel-adjutant, Oberstleutnant Graf Finckenstein, der in 4 Stunden den nächtlichenRitt von 35 Kilometern zurücklegte, hatte zugleich beim I. Armeekorpseine Abschrift übergeben. Es konnte, seiner Stellung nach, als das nächstezuerst zur Stelle sein. Um 5 Uhr früh schon gab der Kronprinz seineBefehle. Die II. Armee sollte auf 4 Straßen vorrücken — alle 4 amrechten Elbufer, nämlich:
das 1. Armeekorps, gefolgt von der Kavalleriedivision, auf Groß-Bürglitz,das Gardekorps auf Lhotka, nordwestlich Groß-Bürglitz,das 6. Armeekorps, unter Beobachtung von Josefstadt , nach Welchow,westlich Jaromer,