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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

geschickt. Sie konnten es zwar nicht hindern, daß trotzdem der größteTeil des Waldes verloren ging. Allein sie fesselten zugleich auch die großefeindliche Übermacht an den engen unübersichtlichen Kampfplatz und hin-derten sie, Weiteres gegen die I. Armee zu unternehmen.

In den Gehöften westlich Cistowes sowie im westlichen Teile des süd-lichen Waldrandes, lange auch noch in dem nach Osten am Wege vonMaslowed vorspringenden Waldstücke und bis zum Ende in dem nord-östlichen Vorsprunge behaupteten sie sich sogar.

Benatek kam in Gefahr, von den Österreichern genommen zu werden;die dort stehenden preußischen Batterien mußten ihren Platz noch einmalräumen. Aber der unerschütterliche Entschluß des Generals v. Fransecky,von dem einmal gewonnenen Boden nicht mehr zu lassen, siegte am Endedoch. Die Wendung in der allgemeinen Lage schaffte ihm Luft. Mit14 Bataillonen, 24 Geschützen hatte er sich gegen 49 Bataillone, 120 Ge-schütze so lange behauptet, bis die Rettung kam.

Benedek hatte das 4. Korps schon am Vormittage von unzeitigem Vor-gehen abmahnen lassen. Gegen Mittag meldete der Kommandant vonJosefstadt den Anmarsch des 5. preußischen Armeekorps von Gradlitz her.Jetzt befahl der Feldzeugmeister kategorisch den Rückzug beider im Waldebei Maslowed kämpfenden Korps in die ihnen ursprünglich zugewiesenenStellungen. Die Front gegen Norden mußte unbedingt gebildet werden,ehe der preußische Kronprinz herankam. Wie schwierig es war, diesenBefehl durchzuführen, ist leicht zu ermessen. Ohne neue große Verlusteging es dabei nicht ab. An 2000 Gefangene blieben in preußischer Hand.

Der eben beendigte Kampf bildet eine ewige Warnung davor, im Ringenum einen Wald oder ein Dorf zu viel Truppen in der Örtlichkeit selbstzu verwenden. Besser wird es fast immer sein, mit dem größeren Teilrechts und links daran vorüberzugehen, zu werfen, was sich dort entgegen-stellt und die Verteidiger von Nachschub und Verbindungen abzuschneiden,so daß ihr Widerstand erlahmen muß.

Unterdes hatte auch der rechte Flügel der I. preußischen Armee 3.und 4. Division einen schweren Stand gehabt. Der Holawald wardvon den Granaten der langen österreichischen Geschützlinie überschüttet undgestaltete sich zu einer Hölle für die Besatzung. Vergeblich mühte sich diepreußische Artillerie ab, ihr beizustehen und sie zu entlasten. Die glattenBatterien zeigten sich wirkungslos und wurden zurückgehalten; auch ge-zogene mußten in größerer Zahl hinter der Bistritz bleiben. Es war ver-absäumt worden, rechtzeitig Kriegsbrücken über den Fluß zu schlagen; diestehenden wurden von Truppen und Fahrzeugen bald überfüllt. Vielfach