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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Spannende Lage an der Bistritz

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wurde es unmöglich, hinüberzukommen; daher mangelte es vorn auch anMunition. Hierzu kam, daß die hinter dem Höhenkamm vortrefflich ge-deckten österreichischen Geschützlinien kaum zu treffen waren. Sie ließensich deshalb auch nicht zu systematischem Geschützkampfe verleiten, sondernentluden die volle Wucht ihrer Wirkung auf die preußische Infanterie.Deren wiederholte Versuche, sich aus dem Rande des Holawaldes nachvorwärts hin Luft zu schaffen, scheiterten an dem ihnen entgegenschlagen-den Feuer.

Nur die 3. Division, die General v. Werder, alle Deckungen aus-nutzend, mit eiserner Strenge in den Bistritzdörfern und am Fuße fest-hielt, litt weniger und war daher später frischer und verwendbarer als diebeiden anderen.

Endlich gelang es, nach und nach 11 Batterien auf der flachen Höhezwischen Dohalicka und Ober-Dohalitz sowie 8 andere nördlich der Chausseein Stellung zu bringen. Das besserte die Lage etwas, führte aber dochnoch keinen Umschlag herbei. Fast alle Truppen der 8. und 4. Divisionwurden am Holawalde eingesetzt. Die immer erneuten Vorstöße gegen diestarke österreichische Front scheiterten sämtlich. Fünf Stunden schon dauertedies Ausharren und Abmühen unter erheblichen Verlusten fort eineharte Probe für die Truppen. Einzelne Abteilungen und Versprengtebegannen über die Bistritz zurückzufluten, wurden aber durch den Königwieder vorgeschickt.

Ein österreichischer Gegenstoß gegen den Holawald und Ober-Dohalitzscheiterte indessen ebenso wie jene Angriffe. Die Schlacht stand still; derArtilleriekampf tobte weiter. Eine Pause äußerster Spannung folgte. Vorder I. Armee erhob sich die achtunggebietende österreichische Stellung vonChlum über kahlen, leicht vom Feuer zu bestreichenden Hängen. Ein An-griff in der Front mußte ohne Zweifel unverhältnismäßig große Opferkosten. Es drohte von den feuerspeienden Höhen aus auch ein allgemeinerGegenangriff des Feindes, und die bange Frage lag nahe, ob die I. Armeein ihrer wexig günstigen Stellung vorwärts der Bistritz ihm gewachsensein würde. Nur die Flügelarmeen konnten, nachdem die I. Armee denGegner gestellt und stark erschüttert hatte, die Entscheidung bringen. Vor-nehmlich war es die II. Armee, die dabei ihr numerisches Gewicht geltendmachen mußte. Der zu ihr hinübergesandte Flügeladjutant Graf Fincken-ftein war zurück und hatte die bei ihr gegebenen Befehle mitgebracht. Manwußte sie im Anmarsch. Ihr Eingreifen wurde für 11 Uhr vormittagserwartet. Aber noch war nichts davon zu spüren; die Stunden verrannen,die Verluste mehrten sich.