328
Prinz Friedrich Karl , der die Gefahr eines Angriffs niedriger anschlug,als es im großen Hauptquartier geschah, ließ um 1 Uhr nachmittags die5. Division bei Unter-Dohalitz, die 6. bei Sadowa die Bistritz überschreitenund sich hinter dem Holawalde bereitstellen. Die Division Hann vonseinem Kavalleriekorps harrte bei Sadowa des Augenblicks zum Eingreifen,die Division Alvensleben war zur Elbarmee entsendet worden und gingmit dieser vor.
Prinz Friedrich Karl wollte nicht nur seiner Armee, die bisher die Lastdes Kampfes getragen hatte, bei der bevorstehenden Entscheidung den ge-bührenden Anteil sichern, sondern diese auch dadurch für den Feind ver-nichtender gestalten, daß er ihn vorher schon in den ernstesten Kampfverwickelt hatte. Er erteilte dem General v. Manstein, der die beidenwartenden Infanteriedivisionen führte, den Befehl zum Angriff.
Aber dieser Befehl kam nicht zur Ausführung. General v. Moltke, derdavon hörte, sandte ihm durch einen Offizier die Mitteilung, daß derAngriff nicht den Absichten der obersten Heeresleitung entspräche, und be-wog den Prinzen zum Verzicht, den dieser freilich später selbst als einenFehler bezeichnet hat. Auf den Flügeln sollte der zertrümmernde Schlagfallen. —
Der Elbarmee war um 10 Uhr der Auftrag übersandt worden, denGegner in der linken Flanke zu umfassen und ihn von Pardubitz abzu-schneiden. Schlechte Wege hatten sie aufgehalten. Erst um 7^ Uhrfrüh erschien ihre Avantgarde vor Alt-Nechanitz und vertrieb 2 sächsischeKompagnien aus diesem Weiler. Das Dorf Nechanitz wurde ernster ver-teidigt und erst gegen 9 Uhr genommen, als preußische Bataillone dieBistritz ober- und unterhalb durchschritten. Der Marsch ging weiter aufHradek.
Leider vermochte die Masse der Elbarmee ihrer Avantgarde nur lang-sam zu folgen. Alle 3 Divisionen waren auf die notdürftig wieder her-gestellte Brücke von Nechanitz angewiesen, und auch die KavalleriedivisionAlvensleben traf dort noch ein. Dichtes Gedränge entstand. Nur nachund nach kamen die Truppen hinüber. Erst um Mittag konnte unter demSchutze der Avantgarde eine ansehnliche Artillerielinie auf der Höhe zwischenJehlitz und Lubno gebildet werden, um die feindliche Stellung bei Nieder-Prim und Problus unter Feuer zu nehmen. Dort standen Teile der säch-sischen Leib- und die 3. Brigade; die 2., die unten am Flusse gestanden,wurde nach Stresetitz—Problus zurückgenommen. Das übrige war inReserve. Bei Ober-Prim standen die österreichische Brigade Schulz vom8. Korps und die Kavalleriedivision Edelsheim zur Unterstützung nahe.