Angriff der Elbarmee
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Als General v. Herwarth Moltkes Befehl zur Umfassung erhielt, setzteer eine seiner Kavalleriebrigaden über Hradek gegen Prim an und ließ dieandere sich mit der 14. Division, Graf Münster , gedeckt hinter dem Höhen-zuge bei Lubno aufstellen. Die Avantgarde trieb inzwischen österreichischeSchützen im Walde von Stezirek zurück, besetzte die Fasanerie und dasGehölz östlich Popowitz, das Problus gegenüber liegt.
Kronprinz Albert von Sachsen sah die Umfassung kommen und kam zudem kühnen Entschluß, sie durch einen Gegenstoß in der Richtung aufHradek zu durchbrechen. Die sächsische Leibbrigade sollte ihn durchführen,die österreichische Brigade Schulz ihn unterstützen. In vortrefflicher Ord-nung traten die Sachsen an, nahmen die Fasanerie und drangen bis zurSchäferei Neu-Prim vor. Dann erlahmte ihre Kraft. Verspätet — erstnach 1 Uhr — griff die Brigade Schulz ein, wollte den Wald von Ste-zirek nehmen, stieß darin aber schon auf die eintreffende preußische 15. Di-vision und wurde, unter Verlust von vielen Gefangenen, geworfen. OberstSchulz fiel, tödlich getroffen. In den Rückzug wurde auch die zur Auf-nahme herangekommene 2. sächsische Brigade und ebenso noch die öster-reichische Brigade Roth, früher Fragnern, verwickelt. Erst bei Nieder-Primund dem Brizaer Walde brachte Kronprinz Albert die rückgängige Bewe-gung zum Stehen. Eine kurze Gefechtspause trat ein, die bis 2^/z Uhrdauerte.
General v. Herwarth hatte aus dem Schall des Kanonendonners aufeinen nicht günstigen Stand des Gefechts bei der I. Armee geschlossen unddaher auch der 14. Division eben den Befehl zum Vorgehen durch Lubnogegeben, als er ein Handbillett Moltkes erhielt: „Kronprinz bei Zizelowes.Rückzug der Österreicher auf Josefstadt abgeschnitten. Es ist von größterWichtigkeit, daß das Korps des Generals v. Herwarth auf dem entgegen-gesetzten Flügel vorrückt, während im Zentrum die Österreicher noch stand-halten." Nunmehr ordnete er den Sturm auf Problus an, den General Graf Münster mit der 14. Division in musterhafter Ordnung durchführte.Beide Brigaden der Division schwenkten gegen das Dorf ein und gingenmit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen dagegen vor. Der Westrandwurde im ersten Anlauf genommen; denn nunmehr bedrohte die 15. Di-vision, Canstein, die Sachsen bereits in der linken Flanke. Hinter demDorfe hielt die 1. sächsische Brigade das Zurückgehen noch eine Weile auf;dann kam es allgemein in Fluß. Der Gegenstoß der österreichischen Bri-gade Piret aus der allgemeinen Reserve der Armee bei Langenhos miß-lang; die beiden preußischen Divisionen drängten lebhaft nach. Auch dieösterreichische Brigade Wöber vom 8. Korps wurde in den Rückzug hin-