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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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ZZg VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

eingerissen, den ein sächsisches Bataillon bei Bor und am Brizaer Waldedeckte. Um 4 Uhr befanden sich auch diese Örtlichkeiten in PreußischerHand. Bei Nechanitz war inzwischen hinter den fechtenden Truppen eineBrigade der 16. Division, Etzel, aufmarschiert, die Kavallerie aber leidernoch nicht zur Stelle. Sie hätte den Sieg gegen den nunmehr eingedrücktenlinken Flügel von Benedeks Schlachtlinie vervollständigen müssen.

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Wir wenden uns jetzt der Armee des Kronprinzen zu, der befohlenhatte:Die Truppen brechen sobald wie irgend möglich auf und lassenTrains und Bagagen zurück." Eile ward geboten. Aus der durch dieMarschziele bezeichneten engen Versammlung sollte das Eingreifen in dieGeschicke der Schlacht erfolgen. Selten wird in der Kriegsgeschichte einegleich spannende Lage vorkommen, selten das Urteil der Welt über dievorangegangenen Geschehnisse so sehr vom Gelingen des Schlußakts ab-hängen, wie hier. Was hätte sie von Moltkes getrenntem Anmärschezur Vereinigung auf dem Schlachtfelde gesagt, wenn die II. Armee zuspät kam?

Der Befehl erreichte die Truppen zum Teil ziemlich spät. Beim 6. Korpswar die 12. Division schon zu der vorher angeordneten Unternehmunggegen Josefstadt aufgebrochen und mußte von Jaromer nach Welchow hinabgelenkt werden. Die I. Gardedivision befand sich, einer Bitte des Ge-nerals v. Fransecky um Unterstützung folgend, schon in Bewegung; dasKorps wurde bis 7^ Uhr alarmiert und trat an. Das 1. stand frei-lich, der ihm vom Großen Hauptquartier direkt zugegangenen Aufforde-rung zufolge, schon vor 6 Uhr bereit, wartete aber die Befehle des Kron-Pinzen ab und brach erst nach 3 Stunden von Ober-Praußnitz auf.

Schlechte Wege verzögerten den Marsch aufs äußerste.Noch schlimmerwurde es später, als die Infanterie querfeldein durch die aufgeweichten,mannshohen Getreidefelder sich Bahn brechen mußte, der zähe Boden sichum die Räder der Geschütze in dicken Kränzen zusammenballte." Aberdie Mannschaften schritten rüstig aus, zumal als sie den fernen Kanonen-donner zu hören begannen. Man denkt an Blüchers Marsch vom Morgendes 18. Juni 1815.

Das nächste mußte sein, den bedeutenden Höhenrücken von Horenowes,auf denen die feindlichen Batterien im Feuer zu sehen waren, wegzuneh-men. Zwei hohe Linden, mit einem steinernen Kruzifix dazwischen inder Ferne wie ein einziger Baum erscheinend, zeigten den Truppenden Weg dorthin. Ein vorausgeschickter Generalstabsoffizier kehrte bald