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Erst die nächsten Tage ließen das Geschehene seinem ganzen Umfangenach richtig ermessen. 221000 Preußen hatten gegen 215 000 Österreichergefochten. Die Schlacht stand, der beteiligten Streiterzahl nach, der vonLeipzig nahezu gleich. Sie ist in dieser Hinsicht auch in neuerer Zeit erstdurch Mukden überboten worden. Der preußische Verlust betrug im ganzen359 Offiziere, 8794 Mann. Nahezu ein Viertel davon entfiel allein aufdie 7. Division. Der Erfolg aber war größer, als es irgend jemand imersten Augenblick ahnte. 202 feindliche Offiziere und fast 19000 Mannwaren in Gefangenschaft gefallen, 5 Fahnen, 187 Geschütze, viele Fahr-zeuge erobert. Der Gesamtverlust der kaiserlichen Armee betrug 1313Offiziere, 41500 Mann. Es ist klar, daß ihre Kraft zunächst gebrochen war.
Der Rückzug der Vsterreicher auf Glmütz
Feldzeugmeister Benedek hatte sein Hauptquartier nach Holitz verlegt,von wo er das Unglück an den Kaiser meldete. Er sandte Gablenz inspreußische Hauptquartier, um einen Waffenstillstand zu erreichen; dochwurde nicht mit ihm verhandelt, da er ohne Vollmacht war. König Wil-helm erbot sich nur, zur Bewilligung einer dreitägigen Unterbrechung derFeindseligkeiten gegen Übergabe von Königgrätz .
Der Rückzug mußte fortgesetzt werden, und Benedek ordnete ihn „gefaßtund entschlossen". Die neue Zusammensetzung des Hauptquartiers scheintgut gewirkt zu haben. Da die Verfolgung ausblieb, fanden sich auch dieabgekommenen Truppen und viele Vereinzelte bei ihren Verbänden wiederein. Die Zerstörung war nicht ganz so groß, wie sie im ersten Augen-blick nach der Schlacht erschien.
Von Hohenmauth aus, wohin das Hauptquartier am 4. ging, setzte derFeldzeugmeister die Armee wieder auf 3 Straßen. Die rechte Kolonne,2. und 4. Armeekorps mit der 2. leichten Kavalleriedivision, ging überWildenschwert auf Landskron, die mittlere, 1., 3., 6. und 10. Korps nebstder Geschützreserve und der Masse des Trains, schlug die Richtung überHohenmauth auf Mährisch-Trübau ein, die linke, 8. und sächsisches Korpsnebst der gesamten übrigen Kavallerie, marschierte über Chrast und Policka nach der Gegend südlich Zwittau. Am 7. Juli sollten alle Truppen an denEndpunkten ankommen, als weiteres Ziel Olmütz gewählt werden. Dorthoffte der Feldzeugmeister, in starker Flankenstellung das weitere Vor-dringen der Preußen aufzuhalten. Auf Verlangen des bei der Armeeeintreffenden Ministerpräsidenten Grafen Mensdorff wurde, zum unmittel-baren Schutze Wiens, das 10. Korps von Brünn ab unter Benutzung der