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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Österreicher im Lager von Olmütz

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Eisenbahn nach der Hauptstadt entsendet und die große Kavalleriemasse derlinken Kolonne, unter Befehl des Prinzen von Holstein, mit Sicherung derdorthin führenden Straßen betraut. Ohne ernstere Gefechte sollte sie, denFeind aufhaltend, langsam auf die Donau zurückweichen. Sie erfülltediese Aufgabe jedoch nur unvollkommen und kam, nach einigen nutzlosenScharmützeln, in erschöpftem Zustande an der Donau an.

Die Armee vereinigte sich am 11. im Lager von Olmütz . Es wurdenun mit aller Tatkraft daran gegangen, die Schlagfertigkeit wieder her-zustellen, die Mannszucht wieder zu befestigen und die Verpflegung zuordnen".

Die auf dem Schlachtfelde von Königgrätz ganz durcheinander gekom-menen preußischen Armeen hatten zunächst vollauf damit zu tun, denKnäuel zu entwirren, Verpflegung und Nachschub zu regeln. Durch Be-fehle vom 4. Juli wurde die II. Armee nach Pardubitz und Chrudim verlegt und mit der Verfolgung des Feindes beauftragt. Die I. sollte sichum Prelautz zusammenziehen, die wieder unter unmittelbaren Befehl desKönigs gestellte Elbarmee bei Chlumetz . Die noch am 3. abends bei Ne-chanitz eingetroffene Gardelandwehrdivision wurde nach Prag zurückgeschickt,wo sie sich mit der noch in Sachsen stehenden anderen Division des1. Reservekorps unter General v. d. Mülbe vereinigen und die rückwärtigenVerbindungen sichern sollte. Das Große Hauptquartier ging am 6. nachPardubitz , wo zum Glück für die Armee bedeutende Vorräte, namentlich20 000 Zentner Hafer, vorgefunden wurden.

Das von der II. Armee mit der Verfolgung betraute 5. Korps, demdie Kavalleriedivision unterstellt wurde, ging über Chrudim weiter vor,gewann aber zunächst keine Fühlung mit dem Feinde.

Die Verfolgung der geschlagenen Armee blieb also aus, nicht so diestrategische Benutzung des Sieges. Moltke faßte den bedeutungsvollenEntschluß, dem geschlagenen österreichischen Hauptheer nur die II. Armeefolgen zu lassen, mit den beiden anderen Armeen aber direkt auf Wien vorzugehen. Das 6. Korps sollte zur Einschließung der am 4. vergeblichzur Übergabe aufgeforderten Festungen Königgrätz und Josefstadt zurück-bleiben.

Der Vormarsch wurde am 7. angetreten und in breiter Front ausge-führt, um den Truppen den Marsch zu erleichtern und sie besser ernährenzu können.

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Inzwischen war auch die Diplomatie am Werk gewesen. In Wien ent-schloß man sich, trotz des inzwischen errungenen Sieges von Custozza,

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