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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

durch Napoleons III. Vermittelung den Frieden mit Italien zu suchen.Die Abtretung Venetiens, nicht an Italien , wohl aber an den Kaiser,wurde angeboten. Napoleon sagte zu, aber nur unter der Bedingung, daßer zugleich auch bei Preußen vermittelte. Dies geschah durch eine Notevom 4. Juli, die durch Bismarck am 5. in meisterhafter Art nicht zurück-gewiesen, wohl aber unschädlich gemacht wurde. Preußen verpflichtete sichzu nichts und ließ sich in der Ausnutzung seines Erfolges nicht aufhalten.Da Italien das Geschenk Venetiens ausdrücklich zurückwies und auf derFortsetzung des Krieges beharrte, auch das Verbot Napoleons, Venetien nicht zu betreten, nicht beachtete, nahm der Krieg seinen Fortgang.

Am Abend des 7. Juli überfiel die Kavallerie der II. Armee bei Zwittau noch eine Seitenkolonne der abziehenden Österreicher und erbeutete einenTeil von deren Fuhrwesen. So war die Fühlung mit dem geschlagenenGegner wiedergewonnen. Auch bei der I. und Elbarmee traf man beiHlinsko und Deutsch-Brod auf feindliche Kavallerie.

Am 8. Juli wurden den Armeen bestimmtere Richtungen zugewiesen,nämlich der Elbarmee über Jglau auf Znaim und der I. auf Brünn .Die II. sollte auf Olmütz vorgehen, die Festung jedoch nicht angreifen,sondern vor allem mit der feindlichen Armee scharfe Fühlung halten. Sieblieb ihr allein gegenüber, hatte es also mit einem numerisch überlegenenGegner zu tun und wurde angewiesen, im Notfalle nicht auf die beidenanderen Armeen, sondern die Grafschaft Glatz auszuweichen. Im GroßenHauptquartier erwartete man noch, daß Benedek, nach einiger Ruhe imLager von Olmütz , von dort her angreifen werde, um die preußischen Heereim Marsche nach Wien aufzuhalten.

Am 8. erschien auch Feldmarschalleutnant v. Gablenz noch einmal mitder Bitte um Waffenstillstand im Hauptquartier; dieser wurde wiederumverweigert, aber doch, um die französische Vermittlung nicht zu schroff ab-zulehnen, die Bereitwilligkeit der Verhandlungen mit Österreich erklärt,falls Anerbietungen gemacht würden, die sich zur Grundlage für einendauerhaften Frieden eigneten. Als solche wurde in Paris die Bundes-reform, wenigstens für Norddeutschland, und die Erwerbung von Schles-wig-Holstein, Hannover, Kurhessen und eines Teiles von Sachsen durchden preußischen Botschafter angedeutet. Auf alle Fälle erhielt Generalv. Falckenstein den Befehl, die Länder nördlich des Mains baldigst zubesetzen,

Während der folgenden Tage kam es nur zu kleinen Zusammenstößender Kavallerie. Der glückliche Zufall, daß in einer erbeuteten österreichi-schen Feldpost die am 6. Juli entworfenen Marschpläne und Aufschlüsse über

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