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den Zustand der feindlichen Armee gefunden wurden, gab dem preußischenHauptquartier die erwünschte Klarheit für die weitere Führung. Die an-dauernden Schwierigkeiten in der Ernährung des Heeres hemmten indesdie Unternehmungslust.
Trotzdem erreichte die Elbarmee am 13. Juli Znaim , die I. Brünn,ihr Kavalleriekorps die Gegend südlich davon.
Der Vormarsch der II. Armee änderte sich, als die Erwartung einesösterreichischen Vorstoßes schwand. Alles kam jetzt darauf an, Benedek beiOlmütz festzuhalten oder nach Norden abzudrängen. Die Armee erhieltdaher die Richtung auf Proßnitz südwestlich Olmütz . Leider vollzog sieden Marsch dahin auf der einzigen großen Straße über Mährisch-Trübau und erreichte das neue Ziel erst am 15. Juli mit dem vordersten Korps,dem 1., während das hinterste noch bei Gewitsch stand. Es war das 6.,das nur eine Division vor den Festungen belassen hatte.
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Inzwischen wurde auf österreichischer Seite große Rührigkeit entwickeltund für die Fortführung der Verteidigung ein ganz neuer Plan aufge-stellt. Obwohl die Südarmee nach Victor Emanuels Weigerung, Venetien von Frankreichs Gnaden anzunehmen, nicht frei verfügbar geworden war,wurde dennoch der Entschluß gefaßt, den größeren Teil derselben über dieAlpen heranzuziehen. Eine neue starke Armee sollte bei Wien gebildetwerden, alles dorthin herankommen, was an Truppen im Innern desKaiserreichs noch vorhanden war, und Erzherzog Albrecht den Oberbefehlübernehmen. Auch die Nordarmee wurde herangerufen. Am 9. Juli schonerhielt der Feldzeugmeister, der an diesem Tage in Olmütz eintraf, denBefehl, auch das 3. und später noch das sächsische Korps, dem bereits nachWien vorausgeeilten 10. mit der Eisenbahn folgen zu lassen. Jetzt wurdediese Anordnung auch auf die übrigen Truppen ausgedehnt. Sie solltenüber Preßburg ebenfalls nach Wien abrücken. Mit Widerstreben gabBenedek seine Hoffnung auf, die Preußen noch mit Erfolg in der Flankeangreifen zu können, und setzte sich am 14. und 15. Juli in Bewegung.
Die Ausführung wäre unmöglich geworden, wenn die II. preußische Armeeschneller zur Stelle gewesen wäre und die Abmarschierenden angegriffenhätte. Dies scheint man freilich in ihrem Hauptquartier gar nicht er-wogen zu haben.
Eine baldige völlige Entscheidung des Feldzuges wurde immer dringen-der. Napoleon HI., bisher der Schiedsrichter in Europa , begann zu emp-finden, daß sein Ansehen durch Preußens unerwartete Kraftäußerung und