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zichtete er jedoch auf diesen Rückzugsweg. Der österreichische Verlust be-lief sich auf 7956 Mann.
Am Morgen des 25. Juni ließ der Erzherzog durch das 5. KorpsValeggio besetzen, hielt aber die Masse der Armee zurück, um sich nachdem Siege über den König gegen Cialdini zu wenden. Als Oberst GrafSzapary, der am Po beobachtete, Nachricht gab, daß die bei Ferrara schonam Nordufer erschienenen Italiener — augenscheinlich infolge der Schlachtvon Custozza — wieder über den Fluß zurückgegangen seien, gab er seineAbsicht auf.
Cialdini war wirklich im Begriff gewesen, den Po zu überschreiten undim Rücken der Österreicher gegen Vicenza vorzudringen, als er ein kopf-los abgefaßtes Telegramm Lamarmoras erhielt, in dem die Schlacht alsein „äesastro irreparabile- bezeichnet wurde. Dies veranlaßte seinenRückzug, den er bis Modena ausdehnte, wo er am 28. Juni eintraf. —
Die Armee des Königs wich bis hinter den Oglio zurück; der Erzherzogfolgte nun ans rechte Mincioufer. Die ungünstigen Nachrichten vomnördlichen Kriegsschauplatze riefen ihn aber bald wieder zurück. Unter-blieb somit nicht nur die Verfolgung, sondern auch die strategische Aus-nutzung des Sieges, so setzte dieser Österreich doch immerhin in die Lage,nach der Schlacht von Königgrätz über die Südarmee verfügen zu können.Am 9. Juli wurden das 5. und 9. Korps nach Wien mit der Eisenbahnin Bewegung gesetzt, wo wir sie schon haben erscheinen sehen. Das 7. solltelangsam an den Jsonzo zurückweichen, das Festungswerk, trotz der Ab-tretung Venetiens an Napoleon III. , noch besetzt bleiben. —
König Victor Emanuel ging am 12. Juli nach Ferrara . Ein neuerPlan wurde entworfen, der Moltkes Rat entsprach. Cialdinis Heer, ummehrere Divisionen verstärkt, sollte über den unteren Po an den Jsonzo,wenn möglich sogar über die Alpen Vordringen, das 2. und 3. Korps aberdie Festungen belagern und seine Verbindungslinien frei machen, die FlotteLissa angreifen, um die Österreicher ins offene Meer hinauszulocken. Diesletztere wurde unschwer erreicht; die österreichische Flotte erschien undbrachte der italienischen am 20. Juli unerwartet die schwere Niederlagevon Lissa bei.
Langsam ging Cialdini vor, zweigte am 15. Juli von Padua her nocheine seiner Divisionen gegen Trient ab, um zur Eroberung von Südtirolmitzuwirken, kam aber mit seiner Unternehmung vor dem Waffenstillständenicht mehr zur Geltung. Der endgültige Frieden zwischen Österreich undItalien kam am 3. Oktober in Wien zustande.
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