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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Lissa. Kämpfe an der tiroler Grenze

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Auch an der tiroler Grenze war es zu Kämpfen gekommen. General-major Baron Kühn, der die Landesverteidigung leitete, stand mit seinenHauptkräften bei Trient und hatte gemischte Abteilungen in die verschie-denen Grenzabschnitte vorgeschoben. Garibaldi, der über 5 Brigaden, zu-sammen 3540000 Mann, verfügte, machte Brescia zum Ausgangspunktseiner Operationen. Er wollte Trient von verschiedenen Seiten her an-greifen, Kühn jedem Einbrüche mit den von ihm bereitgehaltenen Reservenkräftig entgegengehen.

Die Schlacht von Custozza veranlaßte Garibaldi zunächst, seine Streit-kräfte von der Grenze nach der bekannten Stellung von DesenzanoPeschiera gegenüber zurückzuziehen, um die geschlagene Armee desKönigs aufzunehmen. Die Österreicher antworteten mit Vorstößen ausden Pässen des südwestlichen Tirol zwischen Stilfser Joch und Gardasee ,die zu einer Reihe kleinerer Gefechte führten. Die Schlacht von König-grätz veranlaßte die Einstellung der Offensive; die große entscheidendeSchlacht bewährte, wie immer, so auch hier, ihre Wirkung selbst bis inweite Ferne hin.

Nunmehr ging Garibaldi gegen das Stilfser Joch und Riva vor, ohnedie Österreicher verdrängen zu können. Eine mittlere Kolonne erschien am

15. Juli vor Lardaro im Chiesetale. Gegen diese Kolonne hatte Kühninzwischen seine verfügbaren Kräfte zusammengezogen und schlug sie am

16. Juli bei Condino aufs Haupt.

Seinen Erfolg auszunutzen hinderte ihn jedoch das nunmehr bekanntwerdende Vorgehen der Division Medici in der Val Sugana . Bevor er sichdorthin wendete, wollte er noch die kleine Feste Ampola retten, die, imLedrotal gelegen, von den Garibaldinern hart bedrängt wurde. Durcheinen kühnen Vorstoß über den Monte Pichea warf er diese am 21. Julisiegreich zurück; doch hatte das Fort bereits kapitulieren müssen. In-zwischen erreichte Medici am 23. Levico, und Kühn zog seine Reservennach Trient zusammen, um dem im Tale erwarteten Angriffe Medicis vonder Höhe aus umfassend entgegenzugehen. Dieser Angriff erfolgte am25. Juli von Levico gegen Vigolo und ward erfolgreich abgewiesen; nach-mittags 3 Uhr aber machte der bei der Hauptarmee abgeschlossene Waffen-stillstand den Feindseligkeiten ein Ende.

Das Vordringen gegen Riva hatte am gleichen Tage die von der Ar-tillerie der Feste Nicolo unterstützte Gardaseeflottille aufgehalten.