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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Der Mainfeldzug

(S. Skizze 34)

Der ursprüngliche Operationsplan der süddeutschen BundesgenossenÖsterreichs war es gewesen, mit dem bei Schweinfurt versammelten baye-rischen Korps und dem sich bei Frankfurt a. M. vereinigenden 8. Bundes-korps unmittelbar nach beendeter Mobilmachung gemeinsam gegen Hersfeld im Fuldatale vorzudringen, um dort die Hannoveraner aufzunehmen. Manhoffte am 7. Juli bei Hersfeld zu sein. Durch die Hannoveraner nachden vorausgegangenen Berechnungen bis auf 120 000 Mann verstärkt,hätte der Oberbefehlshaber über eine Macht verfügt, die, zwischen den öst-lichen und westlichen Streitkräften Preußens stehend, dem Gegner höchstgefährlich werden konnte. Jedenfalls erschien sie stark genug, Süddeutsch-land außerhalb seiner Grenzen mit Erfolg zu verteidigen.

Dieser Plan litt an dem Fehler einer erheblichen Unterschätzung derSchnelligkeit und Energie des Gegners und wurde durch die Umzingelungund Kapitulation der Hannoveraner völlig durchkreuzt.

Im Augenblicke standen die Bayern , durch die Nachricht von einem han-noverschen Siege in die Richtung gegen den Thüringer Wald und Gotha abgelenkt, mit der 4. Division bei Wasungen im Werratale, mit den an-deren bei Meiningen, Schleusingen und Hildburghausen. Nun hieß es,den ersten Plan aufgeben und sich mit dem 3. Bundeskorps vereinigen,das zuletzt aufgefordert worden war, gegen Berka, also in der Richtungauf Eisenach, vorzurücken, das tatsächlich aber immer noch bei Frankfurt a. M.Hanau stand.

Die Vereinigung hätte am sichersten unter dem Schutze der Hohen Rhön ,etwa bei Neustadt a. S., vorgenommen werden können. Aber sie hättesehr nach einem Rückzüge ausgesehen und einen ungünstigen Eindruck ge-macht. Es sollte also versucht werden, über Geisa und über Hilders sowiedurch die Hohe Rhön in der Richtung auf Fulda die Verbindung aufzu-suchen. Das ergab eine Art von Flankenmarsch vor der Front der preußi-schen Truppen. Aber man erwartete von diesen keine unmittelbare Fort-setzung der Bewegungen. Vom Bundeskorps sollten die verfügbarenTruppen teils auf Hünfeld, teils mit Hilfe der Bahn nach Kissingen ent-gegen gesandt werden.

Moltke hatte indessen schon am 26. Juni die ununterbrochene Weiter-führung des Feldzuges angeordnet, da sich übersehen ließ, daß die Han-noveraner nicht entkommen würden.Wie bei den diesseitigen Anordnungender Schwerpunkt des Widerstandes in Österreich gesucht wird, so bildet