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VIII. Der Krieg von 1870/71
Hölle entwickelte sich zwischen den beiden Linien. Die Batterien warenbis an die Manceschlucht vorgerückt, zwei von ihnen mit äußerster Ver-wegenheit sogar bei St. Hubert darüber hinaus. Aber es half nur wenig;der Feind hielt weiter stand. St. Ruffine am Moselrande behauptete die Bri-gade Lavasset, Rozerieulles und Point du Jour Frossard mit dem 2. Korps;das 3. unter Leboeuf verteidigte, nach Verlust des Bois des Genivaux,die Pachthofe Moscou, Leipzig und La Folie. Das feste Montigny-la-Grange und Amanvillers verteidigte das 4. nnter l'Admirault. Den rechtenFlügel, nördlich von Amanvillers, bei Jerusalem, St. Privat und Ron-cvurt bildete Canrobert mit seinem freilich nicht ganz vollzählig anwesen-den 6. Korps, dem unter anderem auch seine Reserveartillerie noch fehlte.
Das Ganze bildete eine über zwölf Kilometer fortlaufende, geschlosseneFeuerlinie. Dem rechten Flügel fehlte die Anlehnung, wie sie dem linkendas Moseltal bot. Aber die Orne floß im tief eingeschnittenen Grundenahe daran vorüber, und er war zudem den Deutschen noch immer soweit entfernt, daß eine Umfassung nicht befürchtet wurde. Zudem war jaauch die Garde noch verfügbar, um am bedrohten Punkte zu Hilfe zueilen. An dieser Stellung mußte der deutsche Angriff zerschellen undBazaine dann freie Hand zum Handeln gewinnen. So mag dieser ge-hofft haben.
Die Gefechtsfelder von 1864 hatten die Ausdehnung leidlich großerGarnisonexerzierplätze gehabt. Die von 1866 waren geräumiger, aber nurKöniggrütz, wo die versammelte Truppenzahl größer gewesen wie hier,hatte Abmessungen gezeigt, die denen der Linien von Amanvillers gleich-kamen. Sie boten den Deutschen schon dadurch eine unerwartete Über-raschung, das erklärt zum Teil deren Irrtum.
Von Umfassung war noch keine Rede, und die Stellung ohne künstlicheVorbereitungen in der Front zu nehmen ein Ding der Unmöglichkeit.Wohl ordnete rechts General v. Steinmetz einen Vorstoß durch die Engevon St. Hubert hindurch an. Sogar die 1. Kavalleriedivision nahm daranteil. Aber er scheiterte schnell an dem sich verdoppelnden Geschütz- undGewehrfeuer des Feindes, unter dem die Angreifer unverrichteter Sachewieder durch die Schlucht zurückfluteten.
Die Franzosen wurden ihres Vorteils inne. Sie drängten ihrerseitsvorwärts. Alle auf freiem Felde liegenden preußischen Abteilungen mußtenzur Manceschlucht zurück. Nur St. Hubert und seine ummauerten Gärtenwurden standhaft behauptet. Alle mit größter Tapferkeit unternommenenVersuche, abermals auf der freien Hochfläche vorzudringen, scheiterten indes.Weiter rechts hielten sich preußische Schützenschwärme in den Steinbrüchen