454
VIII. Der Krieg von 1870/71
ZNe Schlacht von Sedan an: ^ September 1^870(S. Skizze 47)
Am 31. war in Vendresse noch eine Nachricht eingegangen, daß derFeind unter Zurücklassung seines Gepäcks auf Mezieres abzumarschierenschiene. Die III. Armee erhielt daher abends 8 Uhr die Aufforderung,in der Nacht Truppen über die Maas vorzuschieben. Sie sollten sicham Morgen quer über die Straße Sedan—Mezieres aufstellen. WeitereAnordnungen ergingen nicht, da alles Nötige schon am 30. befohlen odermündlich vorbereitet war, um den Feind zwischen Maas und Grenze aufmöglichst kleinen Raum zu beschränken.
Die französische Armee hätte am 1. September in voller Frühe denDurchbruch nach Mezieres und die Vereinigung mit Vinoy versuchen sollen.Aber sie war auch an diesem Tage noch nicht imstande, einen geordnetenKriegsmarsch in der Nähe des Feindes auszuführen. Sie konnte sich nurschlagen, wo sie stand.
Das Schlachtfeld bildete ein von Höhen, Pflanzungen, Höfen und Walderfülltes Dreieck, vor dessen Ostseite der Givonnebach, vor dessen Südwest-front die Maas mit Sedan lag, und dessen dritte, nach Nordwest gekehrteFront der Jllybach bildete. Die Stellung war wohl verteidigungsfähig,aber alle drei Fronten mußten dauernd gehalten werden, und es gab,wenn die Deutschen erst einmal auf der Westseite erschienen, nur eineneinzigen Ausweg nach Norden auf neutrales Gebiet. Dort lag das DorfJlly mit seinem hohen Calvarienberge und dem Bois de la Garenne,dessen Besitz über das Schicksal der Armee entscheiden mußte. Das Ganzebildete eine Falle, aus der nur bei höchster Eile noch ein Entrinnen mög-lich war. Im deutschen Hauptquartier glaubte man an den Zug nachMezieres. Die Maasarmee erhielt daher den Befehl, den Feind in seinerStellung anzugreifen, um ihn festzuhalten. Die III. Armee sollte nurein Korps am linken Maasufer zurücklassen, mit allen übrigen Kräftenauf dem rechten vorgehen.
Der Kampf begann in der Frühe um das iu der Südostspitze des Drei-ecks weit vorgeschobene, massiv gebaute, große Dorf Bazeilles. Es bildeteden Punkt, an dem sich im Kampfe die beiden deutschen Heere die Handreichen konnten, und General v. o. Tann ging daher schon im Morgen-nebel um 4 Uhr auf den von ihm geschlagenen Pontonbrücken über dieMaas . In blutigem, hiu und her wogendem Kampfe, an dem sich auchdie in fanatische Erregung geratenen Einwohner beteiligten, gelang es dem1. bayerischen Korps, sich zwischen 8 und 9 Uhr in Besitz des Ortes zu