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VIII. Der Krieg von 1870/71
trug, entschloß sich dieser, die Armee aus ihrer Lage noch jetzt zu befreien,und befahl ihre Versammlung bei Jlly. Er wollte sogleich von dort nachMezieres abmarschieren. Um dies möglich zu machen, sollten seine an derGivonne stehenden Truppen die Deutschen zunächst zurückdrängen.
Aber General Ducrot hatte eben erst die Einleitungen für sein Vor-haben getroffen, als General v. Wimpffen, kürzlich erst aus Algier abbe-rufen und zur Armee entsandt, um de Failly zu ersetzen, eine Vollmachtdes Kriegsministers geltend machte. Sie ermächtigte ihn, „im Falle derBehinderung Mac Mahons ", auch den Oberbefehl zu übernehmen. Wimpffenhielt den Abmarsch auf Mezieres für unmöglich. An der Givonne, geradein einem Augenblicke eintreffend, wo das Gefecht dort günstig stand, ent-schloß er sich im Gegenteil zum Durchbruch nach Carignan. Beider Ge-nerale nächste Absicht war es, trotz der entgegengesetzten Pläne, zunächsteine vermehrte Anstrengung gegen Osten zu machen. Der Kampf an derGivonne wuchs an Heftigkeit.
Wimpffen rief die schon abmarschierten Divisionen zweiter Linie wiederzurück und brachte die kühn vorgedrungenen bayerischen und sächsischen Ab-teilungen in arge Bedrängnis. Munitionsmangel machte sich bei einigenvon ihnen geltend. Selbst die Artillerie, um 3^ Uhr schon auf 12 Batte-rien angewachsen, mußte vorübergehend vom Givonnetale zurückweichen.Dann aber trafen Verstärkungen an Infanterie von beiden Korps ein,und sie vermochten von neuem bis an den Talrand vorzugehen. Daignywurde genommen; 5 Geschütze fielen in deutsche Hand.
Um 10 Uhr traf auch die Spitze des Gardekorps an der oberen Givonneein. Nachts von Sachy aufbrechend, hatte es, als der Kanonendonnerbei Bazeilles begann, seine Schritte beschleunigt, mußte aber des schwie-rigen Geländes halber deu Umweg über Villers-Cernay wählen. Es kamgerade noch zur rechten Zeit, um sich am Kampf der Sachsen nördlichDaigny zu beteiligen und 2 Geschütze zu erobern. Seine 14 Batterienfuhren am Givonnetale auf und nahmen die jenseits vom Marsche gegenJlly wieder eintreffenden französischen Divisionen unter Feuer.
Jetzt, ebenfalls um 10 Uhr, stand auch das 4. Korps schon am rechtenMaasufer hinter den Bayern bereit. Die Aussicht auf einen durchschla-genden Erfolg war den Franzosen damit genommen. „Der erste Versuch,östlich nach Carignan durchzubrechen, war gescheitert, aber auch der Rück-zug westlich nach Mezieres bereits verlegt."
Um 6 Uhr früh hatte der Kronprinz von Preußen das 11. und S. Korpssowie die Württemberger bei Donchery und auf drei unterhalb geschlagenenPontonbrücken über die Maas gehen lassen. Dann rückten sie gegen die