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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Der große französische Reiterangriff

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gestreckt.Die Verluste waren erschreckend; kaum die Hälfte der tapferenReiter erreichte wieder den schützenden Wald. Einige mögen die Maas durchschwömmen und sich so gerettet haben."

Als die Kavallerieflut vorübergebraust war, drängte die preußische In-fanterie, die von ihr nur wenig gelitten hatte, um so lebhafter nach. Cazalwurde genommen, der weichende Gegner drängte sich völlig im Bois dela Garenne zusammen.

Trotzdem faßte Wimpffen noch einmal den Entschluß zum Durchbruchnach Osten und ließ den Kaiser, der sich vormittags im dichtesten Gewühlbefunden hatte, dann aber in die Stadt zurückgeritten war, auffordern,den verzweifelten Vorstoß, von seinen Truppen umgeben, mitzumacheu.Diese würde es sich zur hohen Ehre anrechnen, ihm den Weg zu bahnen.Der Entschluß war ritterlich, aber unausführbar. Die Gewalt über dieTruppe war den Generalen schon zn sehr aus den Händen geglitten, umdie Vorbereitungen noch geordnet treffen zu können. Nur etwa 6000 Mannkamen bei Fond de Givonne zusammen, zum Teil von Wimpffen selbstaus der Stadt herbeigeholt. Sie gingen freilich noch mit großem Un-gestüm gegen Balan vor und drangen in das Dorf ein, während anderebunt zusammengewürfelte Heerestrümmer sich erneut gegen die Sachsenwendeten. Die absichtlich verbreitete Nachricht, Bazaine rücke heran, be-lebte eine Zeitlang die Kämpfer. Aber schon fehlte die nachhaltige Kraft,den vorübergehenden Erfolg zu einem dauernden zu machen. Bald flutetendie Franzosen zurück; der verzweifelte Ausfall war mißlungen, der Kaisernicht erschienen. Er hielt den weiteren Widerstand schon für nutzlos undhatte einmal bereits eine weiße Fahne hissen lassen. Wurde sie auch wiederherabgeholt, so war das Schicksal seines Heeres doch schon besiegelt.

Nun schlugen auch vom linken Maasufer her die deutschen Granatenin die dicht gefüllten Straßen von Sedan; die Stadt brannte bald anmehreren Stellen. Es blieb den Deutschen nur noch eines zu tun übrig,die Wegnahme des Bois de la Garenne, zu der das Gardekorps aus derTiefe emporstieg. Nach kräftiger Einleitung durch Artilleriefeuer erfolgteder Angriff. Zwischen 5 und 6 Uhr, eine Stunde nach dem Vorstoßeder Franzosen auf Balan, war er mit glänzendem Erfolge und verhältnis-mäßig geringem Verluste durchgeführt. Als Moltke diesen Angriff wahr-nahm, beglückwünschte er seinen Königzu einem der größten Siege desJahrhunderts". Über 10 000 unverwundete Gefangene waren in dem, vonTruppentrümmern aller Stärke und aller Art überfüllten Walde denSiegern in die Hände gefallen. Alles drängte sich nach dem alten Lagerund nach der Stadt zusammen. Schon war die Artillerie der Maasarmee