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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Kapitulation von Sedan

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steckender Krankheiten lag nahe, sanitäre Vorsichtsmaßregeln wurden ingroßem Umfange getroffen. Es fehlte vielfach an Wasser, zumal an gutemTrinkwasser für die Truppen. Große Aufmerksamkeit erheischte ihre Er-nährung und Versorgung. Bei dem eingetretenen Stillstande wurde esnach einiger Zeit möglich, die Verpflegung zu regeln und die Verbindungmit der Heimat wiederherzustellen.

Der Vorpostendienst war natürlich anstrengend. Für Verbindungen hinterden Stellungen und Beobachtungsposten auf der ganzen sehr langen Ein-schließungslinie wurde gesorgt.

In den ersten Tagen nach den großen Schlachten blieb der Feind inMetz ruhig. Er selbst bedürfte der Zeit, um sich in der Festung unterden Forts einzurichten und seine Verteidigungsvorkehrungen zu ergänzen;auch fehlte wohl die Neigung, sobald nach den drei blutigen Schlachttageneinen neuen Waffengang zu versuchen. Marschall Bazaines zweideutigeMeldungen über seinen bevorstehenden Abmarsch von Metz sind bekannt;sie verraten keinen energischen Entschluß. Auch trat Regenwetter ein, dasvon der damaligen französischen Armee nach ihren Gewohnheiten als be-sonders lästig empfunden wurde.

Am 26. August meldeten die deutschen Vorposten die erste allgemeinereBewegung; die französischen Lager am linken Moselufer leerten sich, langeMarschkolonnen zogen nach dem rechten Ufer, und zwar nach der Nord-ostseite von Metz hinüber. Dort war die 3. Neservedivision bei derArmee des Prinzen Friedrich Karl eingetroffen und hatte sich in guterStellung zwischen Malroy und Charly, mit dem rechten Flügel an dieMosel gelehnt, zur Verteidigung eingerichtet. Venachbart stand bei St. Barbeder rechte Flügel des 1. Armeekorps. Beiden Truppenteilen schien es heutezu gelten. Für die Einschließungsarmee kamen schwere Tage heran. Schonliefen die ersten Gerüchte von Mac Mahons Absicht, Bazaine zu entsetzen,um. Der Prinz traf sogleich seine Anordnungen, um nach den bedrohtenTeilen der Einschließungslinie Verstärkungen heranzuführen.

Um die Mittagszeit hatte sich das 2., 3., 4. und 6. französische Korpsvorwärts des damaligen Fort St. Julien, das heute Manteuffel heißt,versammelt, zum Vorgehen bereit, aber Bazaine zögerte mit dem Befehldazu, und berief einen Kriegsrat nach dem Schlößchen Grimont. Fried-richs des Großen bekanntes Wort:Bei einem Kriegsrat kommt nie etwasanderes heraus, als daß die timide Partei am Ende den großen Haufenausmacht", bewahrheitete sich auch hier. Die Mehrzahl der Stimmen warfür das Verbleiben bei Metz, und der Kommandant der Festung machtenoch dazu geltend, daß diese sich ohne die Armee nicht halten könne.