Druckschrift 
2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Entstehung
Seite
471
Einzelbild herunterladen
 

Die deutsche Küstenverteidigung

471

In der Ostsee erhielt Kontreadmiral Heldt den Oberbefehl. Sonderburg und DüPpel bildeten damals einen beachtenswerten Waffenplatz mit 50 schwerenGeschützen. Sie hatten einen Angriff von der See her nicht zu befürchten.Bei Kiel wurden die noch im Bau begriffenen, am Hafeneingang gelegenen3 größeren Werke in Eile vervollständigt und mit 56 schweren Geschützenversehen. 4 hintereinanderliegende Sperren und eine Minenreihe schlössendie Einfahrt. Dahinter lag das alte Schulschiff Nenown, sowie die Kor-vette Elisabeth, 3 Kommandoboote und 1 Aviso. Ein Handelsdampfer er-kundete täglich bis nach Langeland und Fehmarn hin. Travemünde undWismar wurden durch Schanzen geschützt. Stralsund, Swinemünde, Kol-berg, Neufahrwasser, Pillau und Memel waren im Verteidigungszustande.Bei Neufahrwasser lag die schnelle GlattdeckkorvetteNymphe" und in denRügenschen Gewässern dieGrille" nebst 3 anderen Kanonenbooten. DieseFlottille beobachtete den Sund. Landwehr- und Ersatztruppen hielten dieKüstenplätze besetzt. In Kiel standen die Seebataillone. An beiden Küstenwurden Signalstationen eingerichtet, Seezeichen und Landmarken, bis aufdie für die heimische Schiffahrt notwendigsten, entfernt. Um die Mittedes Monats August konnte die Küste als gesichert gegen Handstreiche an-gesehen werden.

Zur Zurückweisung von größeren Landungen standen anfänglich die17. Infanteriedivision bei Hamburg , eine Besatzung von 10 000 Mann inSonderburg, die 2. Landwehrdivision bei Bremen und die Gardelandwehr-division an der Eisenbahn von Celle nach Ülzen. Die 1. Landwehrdivisionhielt sich bei Wismar und Lübeck bereit. Außerdem verfügte der General-gouverneur der Küstenlande, General Vogel v. Falckenstein, der unsvom Mainfeldzuge her bekannt ist, über nicht weniger als 90 000 Mannan Besatzung und Ersatztruppen.

Es ist klar, daß von dem Augenblick an, wo diese Truppen sämtlichbereit waren, jeder Versuch des Feindes, von der Küste aus vorzudringen,sein Bedrohliches verloren hatte. Aber der Mangel an Kenntnis dernäheren Umstände und die Erinnerung an den Krimkrieg, wo von denVerbündeten ganze Armeen zu Landungszwecken herangezogen wurden,machte die öffentliche Meinung doch in den ersten Kriegstagen in hohemGrade besorgt. Man war sich bewußt, daß die deutschen Kriegsmittel zurSee einer fremden Großmacht unmöglich gewachsen sein konnten, und über-schätzte die Stärke Frankreichs bedeutend.

Erst als der Aufmarsch der deutscheu Heere an der französischen Grenzeschon im Gange war, verließ eine französische Flotte von 7 Panzerschiffenund einem Aviso unter dem Admiral Grafen Bouet Willaumez den