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VIII. Der Krieg von 1870/71
Hafen von Cherbourg , um die Nordseeküste zu blockieren und nach demEintreffen von 7 weiteren Kriegsschiffen ein 2. Geschwader in die Ostsee zu entsenden, wohin auch die Transportflotte mit den Landungstruppenfolgen sollte. Admiral Bouvt hoffte, die deutschen Panzer noch an derenglischen Küste zu finden und mit Übermacht angreifen zu können.Vergeblich suchte er sie und traf unverrichteter Sache den 28. Juli amKap Skagen ein, wo ihm der französische Gesandte am dänischen HofeLvvtsen mit der Aufforderung zusandte, sofort in die Ostsee einzulaufen,da Dänemark nur darauf warte, daß die Franzosen den Fuß an diedeutsche Küste setzten, um deu Krieg zu beginnen.
Er zauderte jedoch, Folge zu leisten. Landungstruppen führte er nochnicht mit sich. Von Paris hatte er die Weisung erhalten, Dänemarks Neutralität zu achten. So erbat er denn neue Befehle und ging am30. Juli bei Kopenhagen vor Anker. Erst am 5. August lief er, voudänischen Handelsschiffen geführt, durch den großen Belt in die Ostsee einund erkundete die Küste zwischen Kiel und Kolberg . Dann ging er am9. August in der Kjögebucht, die er zu seinem Hauptstützpunkte machte,vor Auker.
Hier erfuhr er alsbald, daß der Gedanke an eine Landung aufgegebensei und er sich auf die Blockade der Ostseehäfen sowie Angriffe auf dieKüstenplätze zu beschränken habe.
Durch 3 Avisos verstärkt teilte er seine Flotte für diese Aufgabe in2 Geschwader, von denen das eine östlich, das andere westlich von Rügen tätig sein sollte. Ein Kriegsrat hatte zuvor beschlossen, von Angriffenauf die Küstenplätze Abstand zu nehmen, so daß nur die Blockade übrigblieb, die bis zum 15. August in ganzer Ausdehnung erklärt war.
Kecke Erkundungsfahrten der schwachen deutschen Seestreitkräfte führtenam 18. August bei Hiddensöe und am 21. vor Neufahrwasser zu kleinenSeegefechten. Als hier am Abend des 26. 3 französische Panzerfregattenvor Anker gingen, lief in der Nacht die „Nymphe" aus, umkreiste sie undgab zwei Breitseiten auf sie ab.
Von nun an erschienen die Franzosen in diesen Gewässern nicht mehr,unternahmen auch sonst nichts von Bedeutung, obwohl die ursprünglicheAbsicht, die Küstenstädte zu schonen, fallen gelassen wurde. UngünstigeWitterungsverhältnisse wirkten zu dieser Passivität mit, die dahin führte,daß die in der Kjögebucht liegende französische Flotte sogar durch deutsche Erkundungsschiffe beunruhigt wurde. —
Für die Nordsee begann Frankreich erst im August eine 2. Flotte unterAdmiral Fourichon auszurüsten. Admiral Jachmann machte vom ö. bis