Eine Landung wird aufgegeben. Kleine Seegefechte
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7. August einen Vorstoß bis zur Doggerbank, jedoch ohne den Feind zufinden. Erst am 11. August erschienen 8 französische Panzer und 4 Avisosbei Helgoland , um die Blockade der Nordseeküste zu erklären. Dort bliebdiese Flotte liegen, kreuzte aber des Nachts der eigenen Sicherheit halber.Deutsche Vorpostenschiffe erschienen vor den Flußmündungen. „Arminius "trieb mehrfach den Feind zurück, ohne sich in einen Kampf einzulassen.Ernsthaftes fiel nicht vor, und um Mitte August schou war man in Deutsch-land so weit beruhigt und seiner Sache sicher, daß die zum Küstenschutzaufgestellten mobilen Divisionen nach dem Kriegsschauplatz in Frankreich herangezogen werden konnten. Schlesische Landwehr trat in der Heimatan ihre Stelle.
2. Gegen die Republik Regierungswechsel in Frankreich
Am Nachmittag des 3. September traf die Kunde der Katastrophe vonSedan in Paris ein. Die Kaiserin beschied gegen 6 Uhr abends dieMinister zu einer Sitzung. Die dort beschlossene Proklamation war erstgegen Mitternacht gedruckt, so daß in der Nacht nichts mehr geschah. Am4. aber verbreitete sich die Nachricht von dem Vorgefallenen bereits all-gemein und rief eine furchtbare Erregung hervor. Der gesetzgebende Körper,der sich nach 1 Uhr nachmittags versammelte, proklamierte nach tumul-tuarischen Szenen am Ende die Republik . Eine neue Negierung, welche sichdie der nationalen Verteidigung nannte, trat zusammen. Sie konnte natür-lich nicht anders, als den Widerstand bis aufs äußerste versprechen, undmußte sofort mit neuen militärischen Rüstungen beginnen. Ihre Seelewaren bald der Kriegsminister Gambetta, bis dahin ein Pariser Advokat,und General Trochu. Die bisherigen Gewalthaber wagten keinen Wider-stand, obgleich die Truppen in den Kasernen konsigniert waren und an-scheinend treu blieben. Die Kaiserin -Regentin verließ heimlich das Land,um Blutvergießen im Inneren zu vermeiden. Ohne Kampf vollzog sichder Sturz der ehedem so starken kaiserlichen Gewalt, vor der eine Zeit-lang ganz Europa gebangt hatte.
Die Republik machte eine bessere Erbschaft, als es nach dem Verschwin-den der kaiserlichen Armee aus dem freien Felde den Anschein hatte.Dank der von Marschall Niel vor 2 Jahren begonnenen Reorganisationder Armee, die nur durch den Tod dieses begabten Kriegsministers unter-brochen worden war, fand man mehr Mittel der Verteidigung vor, alsman selbst vermutete.