Entkommen des 13. französischen Korps
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zösische 13. Korps unter General Vinoy in Betracht. Sehr richtig ent-schloß sich dieser, Paris so schnell wie möglich zu erreichen. Ein Teil seinerTruppen war bereits von ihm angehalten worden oder mit Hilfe der Eisen-bahn nach Soissons umgekehrt. Bei Mezieres stand nur noch die DivisionBlanchard, die nun mittels Fußmarsches an den Deutschen vorübcr-kommen mußte. Der direkte Weg war ihr bereits durch das 6. preußischeKorps und starke Kavallerie verlegt; nur schnellstes Handeln konnte sieretten. Vinoy ließ die Truppen mit Mundvorrat für mehrere Tage ver-sehen, ordnete strengste Marschzucht an und begann den Rückzug nochin der Nacht nach der Schlacht. Am anderen Morgen 10 Uhr, etwa10 lim vor Rethel, erfuhr er, daß diese Stadt schon in deutscher Handsei. Nunmehr bog er, seine Nachhut noch eine Zeitlang zurücklassend,westlich nach Novion-Porcien aus, wo er nachmittags 4 Uhr eintrafund ein Lager bezog. Bei Rethel hatte ihn die 12. Infanteriedivisionerwartet. Als sie seinen Rechtsabmarsch entdeckte, marschierte auch sie west-lich, ab und kam abends bis Ecly und ClMeau-Porcien. Die Nachrichthiervon veranlaßte die Franzosen zu einem zweiten anstrengenden Nacht-marsch bei strömendem Regen, tiefer Dunkelheit und grundlosen Straßen,wiederum in westlicher Richtung nach Chaumont-Porcien und dann süd-lich nach Seraincourt. Auch hier von den Preußen aufgescheucht, wen-deten sie sich abermals nach Westen und erreichten auf großen Umwegenüber Montcornet am 13. September die Hauptstadt; doch läßt sich leichtermessen, in welchem Zustande es geschah. Dennoch war ihr Entkommeneine bedeutende Leistung. Freilich ist sie ihnen dadurch erleichtert worden,daß das 6. preußische Korps gerade im entscheidenden Augenblick durchdie falsche Nachricht von der Anwesenheit starker französischer Streitkräftebei Reims dorthin abberufen worden war. So hatte es ihre Spur ver-loren. Einmal waren Preußen und Franzosen in entgegengesetzten parallelenRichtungen auf nur eine Meile Entfernung aneinander vorübermarschiert,ohne sich zu finden. —
Am 4. September wurde Reims von den Deutschen besetzt; am Tagedarauf nahm der König dort sein Hauptquartier. Als neue Erscheinungstellte sich die feindselige Haltung der Bevölkerung und das Franctireur-unwesen ein. In der kleinen Bergfeste Laon , uns bekannt von der Schlachtam 9. und 10. März 1814 her, die jetzt ohne Widerstand der 6. Kavallerie-division ihre Tore öffnete, wurde von französischer Hand nach dem Einzugder Gegner die Zitadelle in die Luft gesprengt. 15 Offiziere, 99 Mann anToten und Verwundeten waren die deutschen Opfer dieses Anschlags. Vonden Franzosen kamen 300 Mann um. Kleine Abteilungen Linientruppen